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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 13:49 Uhr

Bestattungsgesetz : Neuer Vorstoß für Aufhebung des Friedhofszwangs

vom

Auf den Friedhof oder in den heimischen Garten, ins Meer, in den Friedwald oder ins Bücherregal - immer weniger Menschen wollen sich vorschreiben lassen, wo die Urne mit ihren sterblichen Überresten einmal hin soll. Die Politik ist bereit, darauf zu reagieren.

In die Debatte um eine größere Freiheit bei der Wahl des Bestattungsortes kommt wieder Schwung. Im Schweriner Landtag will die Linke spätestens Anfang kommenden Jahres einen neuen Vorstoß für die Aufhebung des Friedhofszwangs und für weitere Reformen des Bestattungsgesetzes unternehmen, wie deren innenpolitischer Sprecher Peter Ritter ankündigte. „Zahlreiche Menschen bewegen doch insbesondere die Fragen, was mit ihnen oder ihren Angehörigen nach dem Tode geschieht und wie selbstbestimmt sie darüber entscheiden können“, sagte er.

Die anderen Parteien signalisierten Gesprächsbereitschaft. Der Sprecher der SPD-Fraktion, Alexander Kujat, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Vorbild für eine Diskussion zur möglichen Reform des Bestattungsgesetzes könnte der Umgang des Deutschen Bundestages mit dem Thema Sterbehilfe sein.“ Dort sei ohne Zeitdruck und parteipolitische Vorfestlegungen unter breiter öffentlicher Beteiligung ein parlamentarisches Verfahren entwickelt worden, an dessen Ende die Abgeordneten über vier fraktionsübergreifende Gesetzentwürfe entscheiden konnten.

Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Leif-Erik Holm, legte der Linken nahe, das Gespräch mit den anderen Parteien zu suchen. Innerhalb der AfD-Fraktion sei über das Thema noch nicht gesprochen worden. Er persönlich könne sich durchaus eine gewisse Liberalisierung vorstellen. „Ich bin da offen.“ Die CDU, die beim ersten Vorstoß der Linken vor einem Jahr als großer Bremser auftrat, zeigte sich ebenfalls gesprächsbereit. Allerdings stellte der Fraktionsvorsitzende Vincent Kokert klar: „Dieses sensible Thema eignet sich nicht zu parteipolitischen Spielchen.“  Wenn es eine vertrauensvolle Basis gebe, würden Gespräche nicht an der CDU-Fraktion scheitern. Für die CDU sei es auch wichtig, sich in dieser Frage mit den Kirchen abzustimmen. „Die Bestattung von Menschen auf Friedhöfen ist für die Union ein Kulturgut, das es grundsätzlich zu bewahren gilt“, sagte Kokert.

Ein erster Vorstoß der Linken für Änderungen am bestehenden Bestattungsrecht im Land war im Januar am Widerstand der SPD/CDU-Koalition gescheitert. In der Öffentlichkeit entspann sich jedoch eine rege Debatte. In Medien sprachen sich viele Bürger für eine Liberalisierung aus. Forderungen reichten dabei bis hin zur Möglichkeit, die Urne eines Gestorbenen auf dem eigenen Grundstück begraben oder die Asche dort verstreuen zu können. Mancher wünschte sich auch, die Urne zu Hause im Bücherregal oder in der Schrankwand aufbewahren zu dürfen. Bisher sind Bestattungen nach geltender Gesetzeslage in Mecklenburg-Vorpommern nur auf Friedhöfen, in Friedwäldern oder in bestimmten See-Arealen möglich. Vergangene Woche befasste sich auch eine Tagung der Universität Rostock mit dem Thema.

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erstellt am 06.Nov.2016 | 20:45 Uhr

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