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Mecklenburg-Vorpommern

08. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Kampf gegen Ärztemangel : „MV-Bonus“ beim Medizinstudium

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bessere Möglichkeiten für Bewerber aus dem Land – wenn sie später im Nordosten praktizieren

Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung will Abiturienten, die bisher am Numerus clausus von 1,4 für ein Studium der Medizin scheiterten, die Arztausbildung ermöglichen - wenn sie im Bundesland praktizieren. Dazu ist ab 2017 ein Stipendienprogramm mit dem Titel „Landeskinder-Bonus“ geplant, wie eine Sprecherin der Landesärztekammer in Rostock erklärte. Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU): „Wir wollen Studierende unterstützen. Es gibt verschiedene Ideen die gegenwärtig diskutiert werden.“ Die bundesweit geltende Zugangsschwelle ab Notendurchschnitt von 1,4 kann nach Angaben der Kammer ein Hemmnis für die Auswahl der besten Ärzte sein, die tatsächlich auch im Land arbeiten.

Das Problem werde seit Jahren diskutiert, erklärte Kammerpräsident Andreas Crusius. „Wir brauchen einen Bonus für Landeskinder bei der Zulassung zum Medizinstudium.“ Das Land wolle für das Programm rund eine Million Euro in die Hand nehmen.

Derzeit werde an einer Richtlinie für die exakte Umsetzung gearbeitet, denn so eine Regelung müsse hundertprozentig rechtssicher gemacht sein. Die Ärztekammer M-V ist die Interessenvertretung von mehr als 10  000 Ärzten im Nordosten.

Das Problem: Gerade in ländlichen Regionen fehlt bereits jetzt medizinisches Personal und die Situation könnte sich weiter verschärfen. Denn Hausärzte sind in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt 54 Jahre alt, ein Viertel von ihnen ist sogar schon über 60 Jahre. Nachfolger für Praxen finden sich schwer. In den vergangenen zehn Jahren haben bereits 160 Hausarztpraxen im Land mangels eines Nachfolgers endgültig geschlossen. In den nächsten fünf Jahren gingen weitere 200 Hausärzte in den Ruhestand.

Um Nachfolger den Dienst auf dem Lande schmackhaft zu machen, zahlt Mecklenburg-Vorpommern Hausärzten für die Übernahme einer Praxis 50 000 Euro. Bezahlt wird der Zuschuss von der Kassenärztlichen Vereinigung, wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Landtags-Linken hervorging. In den Jahren 2011 bis 2015 seien so in 76 Fällen insgesamt 3,8 Millionen Euro geflossen.

Um die Lücken in der ärztlichen Versorgung zu schließen, werden auch ausländische Mediziner angestellt. Aktuell haben etwa 700 Mediziner im Land keinen deutschen Pass. Die meisten von ihnen kommen aus Polen, Rumänien und Bulgarien.

 

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erstellt am 21.Nov.2016 | 20:30 Uhr

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