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Mecklenburg-Vorpommern

04. Dezember 2016 | 07:03 Uhr

Opernpremiere Hoffmanns Erzählungen : Musikalisch fesselnd nacherzählt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jacques Offenbachs Opernwerk „Hoffmanns Erzählungen “ im Mecklenburgischen Staatstheater szenisch ohne Magie, aber mit klanglicher Brillanz

Viel Jubel und ausdauernder Applaus beendeten die erste Opernpremiere der neuen Saison am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. In der Regie des neuen Operndirektors Toni Burkhardt erklang am Freitagabend im voll besetzten Großen Haus die fantastische Oper „Hoffmanns Erzählungen“ (Les contes d’Hoffmann) von Jacques Offenbach.

Das Werk dramatisiert Erzählungen von E. T. A. Hoffmann und stellt den Dichter selbst als Titelfigur ins Zentrum. Er, der sich an den bürgerlichen Konventionen seiner Umwelt reibt, fühlt sich nacheinander zu drei Frauengestalten hingezogen, denen nichts Bürgerliches anhaftet: zu Olympia, einer mechanischen Puppe, zu der kranken Sängerin Antonia und der Kurtisane Giulietta. Dabei verliert er mehr und mehr den Sinn für die Realität des Daseins und manövriert sich in einen Zustand von Wahnsinn.

Das Fantastische und die düstere Magie des Erzählers E. T. A. Hoffmann findet man auf der Bühne allerdings nicht wieder. Da steht die Puppe Olympia im Metallic-Look still auf der Bühne, bevor sie abgeht. Die Sängerin Antonia fährt nur mystisch mit den Armen durch die Luft. Der Auftritt ihrer toten Sängerinmutter als Schatten ist gut ausgedacht, doch wenn sie leibhaftig in gekrümmter, schiefer Haltung aus diesem Schatten heraustritt, kann man sich nicht vorstellen, dass ihr Publikum sie so verehrt hat, dass ihre Tochter Antonia ihr blind nachfolgen muss, selbst wenn sie daran stirbt. Es fehlt solchen Bildern an echter Faszination und Größe.

Da funktionieren eher ganz reale Dinge, wie die tödliche Messerstecherei im 4. Akt. Es sind vor allem Rodrigo Porras Garulo als Hoffmann und dessen Freund Niklaus, die den Abend darstellerisch dominieren. Sie verfolgen eine durchaus greifbare Entwicklung, an deren Ende Hoffmann, alle Warnungen des Freundes in den Wind schlagend, die Gewalt über sich und seine Person wie im Wahnsinn verliert. Der Niklaus ist hier in eine Frauenrolle übersetzt und von Antigone Papoulkas dargestellt.
Als Niklaus sucht sie mit androgyner Kühle, den Freund Hoffmann auf seinem Weg in die Katastrophe aufzuhalten, ohne Zutat von Erotik, doch auch nicht ohne gelegentliche liebevolle Zuwendung. Allein diese Zweisamkeit zwischen Niklaus und dem mehr und mehr aus dem Gleis geratenden Hoffmann fasziniert, weil sie den Abend immer wieder in Spannung bringt. Dabei setzt sich Antigone Papoulkas mit ihrem reifen, ausdrucksintensiven Mezzosopran und ihrer schauspielerischen Stärke gleichermaßen als Höhepunkt der Aufführung durch. Hingegen gelingt es dem mexikanischen Tenor Garulo zwar, im Spiel zu überzeugen, doch ist sein stimmlicher Ausdruck reine Kraftmeierei ohne Eleganz, deren gepresste Anstrengung wenig Raum für Facettenreichtum lässt.

Insgesamt aber kann man die Aufführung musikalisch voll genießen. GMD Daniel Huppert hat aus vielen Möglichkeiten, die diverse Fassungen von Offenbachs Partitur bieten, einen musikalisch schlüssigen und dramatisch packenden Ablauf der Oper zusammengestellt. Von den prima reagierenden Musikern der Mecklenburgischen Staatskapelle fordert er ein Netz ständiger Tempoänderungen, aus denen die Erregung des Geschehens quillt. Der Klang der Kapelle ist voller Brillanz und dabei so präsent, dass man sich gelegentlich mehr Rücksicht auf das Miteinander mit der Bühne wünschte.

Das Ensemble bietet schöne Stimmen auf, voran die Sopranistin Elena Puszta, die ihren 4 Rollen von Olympia, Antonia, Giulietta und der Mozartsängerin Stella in der Rahmenhandlung je eigenes Profil zu geben sucht. Sebastian Kroggel differenziert seine Rollen als Stellaverehrer, Coppelius, Doktor Mirakel und Dapertutto zwar im Spiel, leiht ihnen aber seinen schönen, blutvoll strömenden Bassbariton gleichermaßen. Opernchor und Extrachor der Schweriner Singakademie bringen viel Schwung in die Szene. Musikalisch hat sie Chordirektor Ulrich Barthel gemeinsam mit Helmut Sonne vorbereitet, präzise und knackig im Klang. Ein wenig feine, getupfte Eleganz täte noch gut. Doch der musikalische Gesamteindruck des Abends war glänzend!

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erstellt am 01.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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