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Mecklenburg-Vorpommern

24. Juli 2016 | 08:50 Uhr

Hinter die Kulissen geschaut : Multitalent für jeden Tag

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Pastor – mehr als ein Gottesdienst am Sonntag. Eine Begegnung mit dem Pastor Christian Banek

9 Uhr Besprechung wegen des nächsten Gottesdienstes. 11 Uhr Besuch eines Musikers. 13 Uhr Telefonkonferenz über die Internetseite des Kirchenkreises. 14 Uhr Orgel-Restaurator. 15.30 Uhr Küster. 16 Uhr Baumarkt, 17 Uhr Schreibtisch. So kann ein Tag im Kalender von Christian Banek aussehen. Jeder ist anders, und die Aufgaben sind vielfältig. Allein die Planung eines Gottesdienstes dauert etwa acht Stunden – inklusive Gebete vorzubereiten, Lieder herauszusuchen und mit dem Organisten zu besprechen.

Die Predigt selbst schreibt Banek meist erst am Samstagabend. Für die möglichen Themen in jeder Woche gibt es spezielle Vorschläge, aber der Pastor hat die Freiheit zu entscheiden, über etwas anderes zu sprechen. Seit fast 18 Jahren arbeitet Banek in seiner Gemeinde, zu der knapp 700 Menschen in 26 Orten gehören, unter anderem mit Kirchen in Woosten, Groß Poserin, Unter Brüz, Kuppentin und Plauerhagen. Der 49-Jährige kümmert sich auch um Abrechnungen, Transportkosten oder Materialbeschaffung. „Vieles dreht sich um die Erhaltung von Gebäuden – das muss vorbereitet, begleitet und nachbearbeitet werden.“ Außerdem vertritt Banek die Kirche beim kommunalen Boden-Neuordnungsverfahren. Nicht zuletzt leitet er – gemeinsam mit der Gemeindepädagogin – ein kircheneigenes Gästehaus in Groß Poserin.

Selten nur kommt jemand ins Pfarrhaus, um Rat oder Beistand zu erhalten. „Gespräche ergeben sich eher, wenn ich unterwegs bin“, erzählt Banek. „Oder die Leute rufen an.“ Es läuft gut zwischen dem Pastor und seiner Gemeinde. Alle zehn Jahre wird nachgefragt, ob man noch miteinander arbeiten möchte. „Früher haben die Pastoren manchmal lebenslang auf einer Stelle ausgeharrt – das kann Schwierigkeiten mit sich bringen, denn jeder ist vom Typ verschieden und wird wahrscheinlich einen Teil seiner Gemeinde nicht erreichen. Da ist es manchmal besser, einen Wechsel herbeizuführen.“

Er und der demokratisch gewählte Kirchgemeinderat leiten zusammen die Gemeinde. „Das ist für mich ein Ausdruck von Beteiligungs-Kirche“, sagt Banek. „Man soll ja nicht nur zum Gottesdienst kommen und etwas konsumieren. Sondern es ist eine ethische Konsequenz des Glaubens, auch selbst etwas zu tun.“

In Woosten arbeitet außerdem eine Gemeindepädagogin, in manchen Gemeinden gibt es einen Kantor, der sich um alles kümmert, was mit Musik zu tun hat, und einen Küster, der für einen angemessenen Zustand der Gebäude sorgt, der aber – anders als ein Hausmeister – auch Auskunft zu kirchlichen Fragen geben kann.

Hierzulande werden es immer weniger Christen, aktuell etwa ein Drittel der Bevölkerung. Ist es nicht schwer, sich jeden Sonntag zu motivieren, wenn nur so wenige in die Kirche kommen? „Wir verabschieden uns zum Teil von dem alten Bild, der Gottesdienst wäre der Mittelpunkt des Gemeindelebens. Wir Pastoren erfüllen seit etwa 20 Jahren andere Aufgaben als unsere Vorgänger.“

Im Nachbarort Kuppentin gab es um 1955 mehr als 25 Trauungen pro Jahr – bei Banek sind es heutzutage vielleicht zwei. „Das hängt natürlich unter anderem mit dem steigenden Altersdurchschnitt auf dem Lande zusammen. In einer Rostocker Stadtgemeinde sind die 20- bis 30-Jährigen die stärkste Altersgruppe, bei mir die schwächste.“ Auch solche Zahlen bestimmen, welche Erwartungen die aktiven Christen an ihren Pastor haben. „Viele wollen, dass ihre Kinder in der Kirche andere Werte kennen lernen als zum Beispiel in der Schule“, sagt Banek. „Eltern merken schnell, dass in Gemeinden ein anderer Geist herrscht, anders aufs Leben geschaut wird. Das tut ihnen gut.“

 


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erstellt am 09.Feb.2016 | 12:00 Uhr

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