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Mecklenburg-Vorpommern

07. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Glücksatlas 2016 : Mit dem Glück kein Glück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Trotz steigender Lebenszufriedenheit liegt Mecklenburg-Vorpommern im Glücksatlas ganz hinten

Geringe Einkommen und die Sorge um die eigene Gesundheit trüben das Wohlbefinden der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern so sehr, dass sie weiterhin die unglücklichsten in ganz Deutschland sind. Im sogenannten Glücksatlas, den die Deutsche Post als repräsentative Studie einmal im Jahr erhebt und heute in Berlin vorstellte, liegt der Nordosten 2016 trotz leicht verbesserter Stimmungslage erneut auf dem letzten Rang. Auf einer Skala von 0 bis 10 ermittelten die Autoren für Mecklenburg-Vorpommern eine subjektive Lebenszufriedenheit von 6,77.

Nur unwesentlich besser waren die Werte allerdings in Sachsen-Anhalt (6,78) und Brandenburg (6,80). Im bundesweiten Durchschnitt wurde ein Wert von 7,11 Punkten ermittelt. Die glücklichsten Deutschen leben demnach in Schleswig-Holstein und Franken. Auch in Niedersachsen und Baden ist das Glück zu Hause.

Die Arbeitszufriedenheit erreicht in Mecklenburg-Vorpommern zwar den bundesweit vierthöchsten Wert unter den 19 untersuchten Regionen. Doch die nach wie vor schlechte Entlohnung schmälert dieses Empfinden wieder erheblich.

„Das verfügbare Einkommen ist mit 17 486 Euro in keiner anderen Region so niedrig“, konstatieren die Autoren der Studie. In Hamburg könne jeder Einwohner im Durchschnitt über 23 596 Euro im Jahr verfügen. Zudem würden die hohe Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent und die bundesweit höchste Pflegequote von 45,4 Pflegebedürftigen je 1000 Einwohner das Gesamtempfinden in Mecklenburg-Vorpommern trüben. Im Ländervergleich schneidet der Nordosten auch im Bereich Wohnen und Freizeit schlecht ab.

Trotz Terrorgefahr und Flüchtlingsstroms stieg die allgemeine Lebenszufriedenheit in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr (7,02) leicht. Die für 2016 ermittelten 7,11 Punkte seien der Spitzenwert seit Beginn der Glücksatlas-Erhebung im Jahr 2010, erläuterte Mitautor Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Für die Studie war unter anderem nach Lebensbereichen wie Familie, Arbeit, Gesundheit, Einkommen und Wohnen gefragt worden.

Als möglichen Grund für die insgesamt positive Tendenz in Deutschland nennen die Autoren die gute wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre. Allerdings gibt es bei der Zufriedenheit auffällige Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Osten erreichte keine Region bei der Lebenszufriedenheit die Marke 7. Den größten Zuwachs gab es in Thüringen (6,94), das damit die neue Glücksregion im Osten ist. Die Studie zeigte erneut aber auch, dass die Skepsis gegenüber Einwanderern in Ostdeutschland deutlicher ausgeprägt ist als im Westen.

Die Daten für den Glücksatlas 2016 stammen aus dem sogenannten sozio-ökonomischen Panel, das seit 1984 die Lebenszufriedenheit jährlich misst, und einer als repräsentativ eingestuften Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, das im Frühsommer 5888 Menschen ab 16 Jahren befragt hatte. Die Lebenszufriedenheit der Westdeutschen hat sich demnach im letzten Jahr verbessert und die der Ostdeutschen leicht verschlechtert. Damit nahm der „Glücksabstand“ zwischen Ost und West laut Studie wieder zu.

Seit 2010 verharrte das Glücksniveau um die 7,0 Punkte. Verantwortlich für die leichte Steigerung in diesem Jahr dürften die gute Beschäftigungslage und der nachhaltige Anstieg der Reallöhne sein, sagte Bernd Raffelhüschen. „Die objektiven Lebensumstände haben sich deutlich verbessert“, so der Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Uni Freiburg.

Bei den Haushaltseinkommen und persönlichen Einkommen sei „Musike drin“ wie zuletzt in den 60er Jahren. Das seit acht Jahren anhaltende „Beschäftigungswunder“ und höhere Renten täten ihr Übriges.„Deutschland ist kein Jammertal“, bilanzierte Raffelhüschen.

In einem weiteren Kapitel wurde das Thema „kulturelle Vielfalt“ beleuchtet. Dabei habe sich gezeigt, dass Menschen umso zufriedener sind, je mehr sie mit kultureller Offenheit und Toleranz durchs Leben gehen, sagte der Post-Konzernvorstand Jürgen Gerdes. „Je toleranter ein Mensch ist, desto zufriedener ist er mit seinem Leben.“

Hintergrund
Wichtige Glücksfaktoren für die Lebenszufriedenheit

Ein allgemeingültiges Rezept zum Glücklichsein gibt es nicht. Das Empfinden eines guten oder schlechten Lebens ist sehr individuell, wenn Rahmenbedingungen wie Frieden, Sicherheit, politische Freiheit sowie private Grundbedürfnisse wie Bildung, Beschäftigung und Wohnen erfüllt sind. Die Macher des Glücksatlas sprechen von vier wichtigen Faktoren:

 • Gemeinschaft: Für Glücksforscher sind gute soziale Beziehungen mit der wichtigste Faktor für Lebenszufriedenheit. Paare sind in der Regel glücklicher als Singles – und Menschen mit guten Freunden oft zufriedener als Einzelgänger.

  Ein großes Glückshemmnis ist Arbeitslosigkeit. Dabei geht es nicht allein ums Geld, sondern um den Verlust des Selbstwertgefühls und die Sorge vor Abhängigkeit. Eine bedeutende Rolle beim Glücklichsein spielt deshalb persönliche Entscheidungsfreiheit, Engagement und eine erfüllende Tätigkeit – bis hin zum Ehrenamt.

• Gesundheit: Sie hat sehr großen Einfluss auf die Zufriedenheit und kann ein großer individueller Glückstreiber, aber auch ein Hindernis sein.

 • Genetische Disposition: Das ist die Mentalität des Einzelnen – grob gesagt die Wahrnehmung, ob ein Glas halbvoll oder halbleer ist. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Mentalität schon mehr als die Hälfte der gefühlten Glücksunterschiede erklärt.

 • Geld: Es hat Bedeutung für die individuelle Lebenszufriedenheit, insgesamt aber weniger Auswirkungen als andere Bereiche. Eine Gehaltserhöhung hat keinen Langzeiteffekt und ab einem bestimmten Level – in Deutschland rund 60 000 Euro Jahreseinkommen – steigt das Glücksempfinden nicht weiter.

 

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erstellt am 18.Okt.2016 | 20:55 Uhr

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