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Mecklenburg-Vorpommern

09. Dezember 2016 | 12:43 Uhr

Landesarchiv Greifswald : Ministerium pokert mit Archiv

vom
Aus der Onlineredaktion

Kommt das Pommersche Archivgut nach Stralsund? Greifswalder Oberbürgermeister reagiert empört auf Pläne

Die historischen Akten zur Pommerngeschichte sollen im östlichen Landesteil bleiben. Allerdings plant das Kultusministerium dafür eigenen Angaben zufolge keinen Neubau des Landesarchivs Greifswald. Eher steht dem Pommerschen Archivgut ein Umzug nach Stralsund bevor.

Wie das Kultusministerium auf Anfrage mitteilte, gibt es ein entsprechendes Angebot der Stadt Stralsund. Demnach würde Stralsund im Zusammenhang mit dem gegenwärtig betriebenen Neubau für das Stadtarchiv Stralsund zusätzlich 400 Quadratmeter Magazinfläche schaffen und dem Land zur Nutzung gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Diese Fläche würde nach Angaben des Ministeriums für die Unterbringung der nach Stralsund zu verlagernden Greifswalder Archivalien benötigt.

Von der Stadt Greifswald – dem aktuellen Standort des Landesarchivs – sei ein der Stadt Stralsund vergleichbares Angebot kaum noch zu erwarten, hieß es weiter aus Schwerin. Als Begründung nannte das Ministerium die inzwischen in Greifswald weit fortgeschrittenen Planungen für sein neues Stadtarchiv. Greifswald will Ende 2017 mit den Bauarbeiten des sechs Millionen Euro teuren Neubaus beginnen.

Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) reagierte fassungslos. „Ich erwarte, dass die Quellen zur regionalen Geschichte weiterhin in Greifwald bleiben“, sagte Fassbinder. Stralsund bestätigte, auf Anfrage des Ministeriums ein positives Votum abgegeben zu haben, das Pommernarchiv von Greifswald zu übernehmen.

Allerdings: „Die Unterbringung des Landesarchivs wäre nur durch einen zusätzlichen Bau zu realisieren, dessen Finanzierung das Land übernimmt“, sagte ein Sprecher der Stadt Stralsund. Die Hansestadt plant derzeit ein Zentraldepot für das neue Stadtarchiv. Nach Angaben der Stadt ist dieser Neubau bereits mit den Stralsunder Beständen einschließlich einer Zuwachsreserve für die nächsten Jahre ausgelastet. Das vom Land favorisierte Mietmodell wäre damit inakzeptabel.

Die Unterbringungsmöglichkeiten im derzeitigen Landesarchivgebäude in Greifswald sind schlecht. Das als Kaserne gebaute Haus sei von vornherein – also bereits beginnend mit der Erstnutzung vor etwa 70 Jahren – als Archiv nicht geeignet gewesen, hieß es aus dem Ministerium. Nach Protest aus Vorpommern hatte Schwerin Pläne, die Pommern-Akten in das Landesarchiv nach Mecklenburg zu verlagern, fallen gelassen.

Spekuliert wird nun, ob das Schweriner Kultusministerium beide Städte mit den neuen Planungen gegeneinander ausspielen will. Greifswald will den Weggang nicht hinnehmen, zumal die Stadt ebenfalls eine Anfrage des Ministeriums positiv beantwortet habe, wie Fassbinder betonte. „Wir haben aber seit etwa zwei Jahren nichts mehr aus dem Ministerium gehört.“

 

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