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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 16:42 Uhr

Schwerin : Ministerin Polzin nahm den Hut

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ihrem Nachfolger Mathias Brodkorb schenkte sie ein „Ministerspiel“. Mitarbeiterinnen sangen zum Abschied das Lied „Unsere Heimat“

Fünf Tage, bevor ihr Nachfolger Mathias Brodkorb (SPD) vor dem Landtag vereidigt werden soll, hat Finanzministerin Heike Polzin (SPD) den Hut genommen. Vor rund 200 Gästen setzte sie sich gestern in Schwerin eine schmucke schwarze Kopfbedeckung auf, nachdem sie sich vor allem bei ihren Mitarbeitern bedankt hatte. Gehen durfte sie jedoch noch lange nicht. Viele Gäste wollten ihr ein Abschiedsgeschenk überreichen. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) brachte ihr eine Finanzspritze mit – aus Schokolade.

Zuvor hatte Heike Polzin den Staffelstab in Form eines Brettspiels an Brodkorb übergeben. Dieses „Ministerspiel“ hatte Polzin von ihrer Vorgängerin Sigrid Keler (SPD) bekommen, als sie vor acht Jahren ihr Amt antrat. Sie sei „keine Spielernatur“, bekannte Polzin, deshalb habe das Spiel seitdem ungenutzt in ihrem Ministerzimmer gestanden.

Polzin, studierte Diplomlehrerin für Deutsch und Kunsterziehung, einst stellvertretende Schulleiterin in Warin, wurde 1998 für die SPD in den Landtag gewählt. In den folgenden zehn Jahren arbeitete sie im Bildungs- und im Finanzausschuss und war sechs Jahre lang stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) machte sie im Herbst 2008 zur Finanzressort-Chefin.

Ihr Staatssekretär Peter Bäumer würdigte Polzin dafür, den Landeshaushalt trotz der Finanzkrise 2008 und der damit verbundenen Steuerausfälle seit Jahren ohne neue Schulden ausgekommen zu sein. Trotzdem habe es mehr Geld für Kitas, Schulen und Kommunen gegeben. Einige Minister registrierten Bäumers Lob für Polzins hartnäckiges Verhandlungsgeschick mit einem leicht sarkastischen Lächeln. Sie hatten in den vergangenen Jahren darunter zu leiden, wenn sie mit dem Finanzministerium um Geld für ihre Ressorts rangen.

Die 61-jährige Polzin sagte, sie lege ihr Amt „freiwillig und unbeschadet“ nieder. Sie sagte aber auch, dass sie im Grunde keine Lust mehr habe, ständig stark sein zu müssen, um Konflikte mit anderen Ressorts auszufechten. Ein kleiner Mitarbeiter-Chor sang ihr zum Abschied das Pionierlied „Unsere Heimat“, wenn auch in verkürzter Fassung.

Sie hätten es für Nachfolger Brodkorb gern auf Plattdeutsch gesungen, bekannten die Sängerinnen. Allerdings fehle ihnen dazu das Plattdeutsch-Abitur. Die Möglichkeit, im Fach Plattdeutsch eine Abiturprüfung abzulegen, hatte Brodkorb als eine seiner letzten Amtshandlungen als Bildungsminister geschaffen.

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erstellt am 28.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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