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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 19:28 Uhr

Kampf gegen Kinderarmut : Millionen versickern in Bürokratie

vom
Aus der Onlineredaktion

Kinderschützer beklagt hohe Verwaltungskosten für Teilhabepaket. Von 33 Millionen Euro kommt nicht einmal die Hälfte an

Im Kampf gegen die Kinderarmut fließen nach Ansicht der Deutschen Kinderhilfe e. V. noch zu viele staatliche Gelder an den Bedürftigen vorbei. So würden die Verwaltungskosten bei der Auszahlung von Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket in Mecklenburg-Vorpommern gut ein Drittel der Gesamtsumme verschlingen. „Einem Verein würde bei in einer derartigen Höhe geltend gemachten Verwaltungskosten vom zuständigen Finanzamt sofort die Gemeinnützigkeit aberkannt“, sagte Kinderhilfe-Vorstandschef Rainer Becker in Schwerin. Er forderte die designierte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) auf, „dieses bürokratische Übermaß“ zu stoppen.

Die Verwaltungskosten müssten – wie bei gemeinnützigen Vereinen üblich – auf maximal 20 bis 25 Prozent reduziert werden, betonte Becker. Der Mitinitiator des Netzwerks gegen Kinderarmut in Mecklenburg-Vorpommern verwies auf Daten von 2014. Danach wurden in dem Jahr insgesamt 12,4 Millionen Euro für Schulbedarf, Klassenfahrten, Mittagessen oder Vereinsbeiträge an bedürftige Familien ausgereicht. 6,2 Millionen Euro aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gingen für die Verwaltung drauf. „Wir brauchen keine Erklärungen, warum derartig hohe Verwaltungskosten entstanden sind und wofür sie ausgeben wurden. Wir brauchen eine Verwaltung, die sich schnellstmöglich wieder selber an den Grundsätzen der Gemeinnützigkeit orientiert“, sagte Becker.

Die Linke-Landtagsabgeordnete Jacqueline Bernhardt hatte unter Berufung auf das Sozialministerium mitgeteilt, dass 2015 rund 33 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm in den Nordosten flossen. Mit 14,7 Millionen Euro sei nicht einmal die Hälfte den Kindern in Form von Zuschüssen für Ausflüge, Schulessen sowie Lernförderung zugutegekommen. 7,9 Millionen Euro habe die Verwaltung des Programms verschlugen, 6,7 Millionen Euro gingen demnach an die Kreise für Unterkunftskosten, 3,6 Millionen Euro wurden zur Finanzierung von Schulsozialarbeitern eingesetzt.

Trotz spürbarer Fortschritte zählt Mecklenburg-Vorpommern weiterhin zu den Bundesländern mit der höchsten Kinderarmut. Erhebungen zufolge lebt etwa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen im Nordosten in Familien, deren Nettoeinkommen 60 Prozent des deutschen Durchschnitts nicht übersteigt. In ganz Deutschland sind 19 Prozent der Kinder von Armut betroffen.  

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