zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

08. Dezember 2016 | 06:58 Uhr

Mecklenburgische Seenplatte : Mein Bauernhof - Meine Festung

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach einer Einbruchsserie rüsten die Landwirte auf. Ein Kripo-Beamter hilft ihnen dabei. Doch hundertprozentigen Schutz wird es nicht geben.

Die Tür zur Scheune sieht stabil aus. Kriminalhauptkommissar Detlef Bönisch macht aber sicherheitshalber den Klopftest. „Massive Stahltür, nicht schlecht“, sagt der Beamte. Einbrecher hätten trotzdem leichtes Spiel. Bönisch schiebt einen Kugelschreiber zwischen Türblatt und Rahmen. Er hat die erste Schwachstelle gefunden. „Da setzen die eine Brechstange oder einen Kuhfuß an und Ruck Zuck ist sie auf“, erklärt er Landwirt Manfred Pahl (Name geändert). Kriminelle hätten binnen von Sekunden nahezu kompletten Zugang in die Halle, wo der Landwirt die hochwertigen Pflanzenschutzmittel, mehrere tausend Liter Diesel und Werkzeuge lagert.

Für die Bewachung des Agrarbetriebs in der Mecklenburgischen Seenplatte war bislang ein großer, schwarzer Labrador zuständig. „Unser bester Einbruchsschutz“, scherzt der Landwirt. Die Kompetenzen des Vierbeiners sind allerdings etwas eingeschränkt. „Er ist ziemlich lieb“, gesteht Pahl und räumt gleich noch ein, dass man sich wegen der Klauerei bisher kaum Gedanken gemacht habe. „Wir haben hier friedlich und zufrieden gelebt.“ Doch mit der Ruhe ist es seit einigen Monaten vorbei.

Die Polizei hat im Osten der Seenplatte gehäuft gezielt vorbereitete Einbrüche in Agrarbetrieben registriert. Auf mehr als 20 Höfen wurde bislang eingebrochen. Die Täter klauten GPS-Geräte aus Traktoren, Werkzeuge und Tresore. Den Wert der Beute beziffert die Polizei auf rund 450 000 Euro.

„Wir stehen hier einem organisierten Problem gegenüber“, findet Manfred Pahl. Vor allem hätten es die Täter immer wieder auf hochwertige Pflanzenschutzmittel abgesehen. Bis zu 1200 Euro könne ein Kilogramm davon kosten. „Und das wissen die Klaumichel ganz genau“, sagt der Landwirt.

Um die Täter zu schnappen, hat die Polizei eine Ermittlungsgruppe gegründet , zu der auch Detlef Bönisch gehört. Doch der Kripobeamte konzentriert sich nicht auf die Gauner, sondern auf die betroffenen Landwirte und potentielle Opfer. Der Kommissar von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Neubrandenburg soll den Bauern zeigen, wie sie ihre Höfe besser schützen können. Kein einfaches Unterfangen.

Ein Wohnhaus verfügt oft über eine oder zwei Türen. Die Scheune von Bauer Pahl hat dagegen gleich fünf Eingänge. „Die Betriebe sind dazu oft sehr groß und stehen abgelegen auf dem Land“, erklärt Bönisch. Eine Rundumsicherung mit Zaun, Alarmanlage, Videoüberwachung, Scheinwerfern und Bewegungsmeldern würde wohl schnell mehrere zehntausend Euro verschlingen. „Alles kann man nicht überwachen“, sagt Bönisch. Er bevorzugt Insellösungen. Die Landwirte sollen sich darauf konzentrieren, sensible Bereiche besonders gut zu schützen. So könnte Bauer Pahl seine Scheunentür von innen mit einem massiven Sperrriegel verbarrikadieren und in den Durchgang zur großen Halle eine einbruchhemmende Gittertür einsetzen. In dem so entstandenen kleinen Sicherheitsraum könnte der Landwirt dann die Pflanzenschutzmittel und Werkzeuge lagern. Der finanzielle Aufwand würde sich im Rahmen halten. „Sie sollten auch über eine zusätzliche Außenbeleuchtung nachdenken“, erklärt Bönisch. Licht schrecke Täter ab. Wenn es denn stark genug ist.

Bei einem Landwirt wenige Kilometer weiter wurde bereits fünf Mal eingebrochen. Die Kasse im kleinen Shop lässt er über Nacht immer offen stehen. „Damit die Einbrecher sehen, dass nix zu holen ist.“ Doch auf Geld hatten es die Kriminellen Ende September gar nicht abgesehen. Sie knackten das Schloss eines Metallcontainers und schnappten sich Pflanzenschutzmittel im Wert von 15 000 bis 20 000 Euro. Die Täter ließen sich weder von den Videokameras abschrecken, noch von den Bewegungsmeldern. „Das ist frustrierend. Die Polizei müsste mehr Präsenz zeigen“, sagt der Landwirt.

An dem aufgebrochenen Container klemmt nun ein bulliges Schloss. „Sehr gut. Sitzt richtig fest. Da gibt es kaum einen Ansatzpunkt für ein Hebelwerkzeug“, findet Kommissar Bönisch. Man könne noch einen Findling davor legen oder schwere Platten, empfiehlt der Kripo-Berater. Eine lichtstarke Alarmbeleuchtung würde für zusätzliche Abschreckung sorgen. „Ganz gezielt für diesen Bereich“, erläutert Bönisch. Sechs zusätzliche Kameras wären auch nicht verkehrt. Am besten mit Infrarot für Nachtaufnahmen und idealerweise auf die Zentrale eines Sicherheitsdienstes aufgeschaltet. „Wir werden und müssen etwas investieren “, sagt der Landwirt. Schließlich habe man es mit sehr professionellen Tätern zu tun. Auch Landwirt Pahl will die Sicherheit in seinem Betrieb verstärken. Zuerst soll die Stahltür an der Scheune gesichert werden. Am großen Rolltor will er eine zusätzliche Verriegelung installieren lassen. Bönisch hat für jeden „Kunden“ Listen mit zertifizierten Sicherheitsfirmen und Firmen zur Hand. Landwirt Pahl will die Umbauten in Eigenregie organisieren. „Wir haben einen guten Schlosser.“

Einbrüche in MV: 625 Taten tagsüber

In Mecklenburg-Vorpommern hat die Polizei im vergangenen Jahr 1521 Wohnungseinbrüche registriert. Das ist im Vergleich zu 2014 ein leichter Rückgang  um 0,6 Prozent. Aufklären konnten die Ermittler  nicht einmal  jede dritte Tat. Laut Kriminalstatistik lag die Aufklärungsquote bei  rund 32 Prozent.

Die Zahlen der Polizei zeigen auch, dass Einbrecher längst nicht nur in den Nachtstunden ihre Raubzüge starten. Unter dem Stichwort Tageswohnungseinbruch,  das umfasst Taten im  Zeitraum zwischen 6 und 21 Uhr, sind 625 Fälle aufgeführt.    

Bundesweit war die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr  gestiegen und hatte  den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren erreicht.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Okt.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen