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Mecklenburg-Vorpommern

29. September 2016 | 01:54 Uhr

Offenlegung der Finanzen : Mehr Kontrolle in der Awo

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dubiose Verträge: Spitzenkräfte der Arbeiterwohlfahrt sollen künftig ihre Gehälter offenlegen

Ausgelöst durch die Affäre um zwei mutmaßliche Untreue-Fälle bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Waren will der Wohlfahrtsverband künftig für mehr Transparenz in seinen Reihen sorgen. Auf dem Treffen der Awo-Landesspitze am kommenden Sonnabend sollen die Kreisverbände überzeugt werden, künftig die Höhe der Vergütungen ihres Spitzenpersonals an den Landesverband in Schwerin zu melden. Darüber hinaus sollen sie sich verpflichten, die Anstellungsverträge der 14 Geschäftsführer vorzulegen und Vertragsänderungen mitzuteilen. „Diese Praxis war bisher nicht üblich“, erklärt Bernd Tünker, Geschäftsführer des Awo-Landesverbandes.

Der bislang eher beratend tätige Landesverband würde damit verstärkt auch eine Kontrollfunktion übernehmen. „Das dient auch dem Schutz und der Unterstützung der ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder“, erläutert Tünker. Ausgangspunkt für die angestrebte Regelung sind die Vorfälle an der Müritz um den ehemaligen Awo-Geschäftsführer und den Ex-Kreisvorsitzenden, gegen die wegen des Verdachts der Untreue ermittelt wird.

So erhielt der Ex-Geschäftsführer mit 150 000 Euro brutto und zusätzlich 30 000 Euro Tantiemen ein unverhältnismäßig hohes Jahresgehalt. Der damalige Kreisvorsitzende Götz-Peter Lohmann, einst SPD-Bundestagsabgeordneter, bekam durch einen Beratervertrag über Jahre hinweg insgesamt rund 700 000 Euro von einer Awo-Tochterfirma, ohne signifikante Tätigkeiten nachzuweisen. Die üppigen Verträge wurden von beiden abgeschlossen, ohne dass die anderen Vorstandsmitglieder davon Kenntnis erhielten.

Auch dem Landesverband waren die dubiosen Machenschaften des Duos zunächst nicht aufgefallen. „Wir sind aber auch nicht der Rechnungshof der Awo“, erklärt Tünker. Die Kreisverbände agierten rechtlich eigenständig. Für die Kontrolle der Geschäftsführung seien eigentlich die Vorstandsmitglieder zuständig. Doch der Fall in Waren habe gezeigt: „Das hat nicht überall einwandfrei funktioniert.“ Mit dem neuen Vorschlag wolle man Machtmissbrauch wie in Waren künftig verhindern und auch der Öffentlichkeit vermitteln, „dass wir nichts zu verbergen haben“, betont der Landesgeschäftsführer.

Mehr Transparenz bei den Wohlfahrtsverbänden, die vom Land mit Fördergeldern in Millionenhöhe unterstützt werden, wird auch immer wieder von Politikern gefordert. „Wer öffentliche Gelder erhält, muss darüber auch Rechenschaft ablegen“, sagt der sozialpolitische Sprecher der Linken, Torsten Koplin. Hilfreich könnte aus Sicht des Linkenpolitikers ein Wohlfahrtsgesetz sein, mit dem die Verbände zur Offenlegung ihrer Finanzen verpflichtet und ihre Kontrolle geregelt werden könnte.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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