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Mecklenburg-Vorpommern

07. Dezember 2016 | 13:31 Uhr

Debatte über Trauerorte : Mehr anonyme Bestattungen

vom

Um Hinterbliebene nicht finanziell zu belasten, entscheiden in MV immer mehr Menschen für eine anonyme Bestattung - doch auch die sind nicht kostenfrei

In weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns entscheiden sich immer mehr Menschen für eine anonyme Bestattung. Sie wollen ihren Angehörigen nicht finanziell zur Last fallen. Aber auch anonyme Bestattungen sind nicht kostenfrei. Und den Hinterbliebenen fehle dann ein Ort der Trauer, geben Kirchen und Bestatter zu bedenken. Grundsätzlich ist die Vielfalt der Bestattungsmöglichkeiten gewachsen.

Wo die Kraniche  ihr Brutgebiet haben, führt eine alte Kastanienallee  zum Friedwald Grevesmühlen. Der wurde im September 2015 von der gleichnamigen GmbH eröffnet.  Seitdem fanden hier 35 Menschen ihre letzte Ruhestätte. Hier werden die Urnen an Bäumen bestattet; daran hängen kleine Täfelchen mit den Namen der Toten: Höchstens zehn Namen pro Naturgrab. Ein Baum kostet nach Angaben der Friedwald GmbH zwischen 3300 und 3600 Euro, die Beisetzung noch einmal 275 Euro. Auch weil ein Baum 99 Jahre Bestandsgarantie habe, entschieden sich immer mehr Menschen für diese Art der Bestattung.

Doreen Peter wäre froh, wenn auch ihre Kundschaft der Trauer mehr Raum gäbe. Denn immer mehr ihrer Kunden, erzählt die Bestatterin aus Neubrandenburg, erweckten den Eindruck, sie seien der Ansicht: „Der Mensch ist tot, damit ist er nichts mehr wert und das Thema soll schnell erledigt werden.“

Und Jahr für Jahr entscheiden sich mehr Menschen für eine anonyme Bestattung. Von rund 700 Bestattungen im Jahr 2015 gab es nach Angaben der Stadtverwaltung Neubrandenburg über 300 Beisetzungen in anonymen Gemeinschaftsanlagen, rund 140 in Gemeinschaftsanlagen mit Namensnennung und lediglich knapp 250 in herkömmlichen Beisetzungen. „Die Menschen denken, das kostet kein Geld, wenn man auf die Streuwiese kommt“, sagt Bestatterin Peter. Aber das ist nicht zutreffend.

Gegen den Trend: In Schwerin ist die Zahl der anonymen Bestattungen nach Angaben der Stadtverwaltung leicht gesunken. 2015  waren es demnach 277 anonyme von insgesamt 1001 Bestattungen. Die Landeshauptstadt bietet unterschiedliche Möglichkeiten der anonymen Bestattung: eine Asche-Streuwiese, Urnengemeinschaftsgräber und ein anonymes Grabfeld für Erdbestattungen.

In  Greifswald fanden 2015 rund 440 Urnenbestattungen auf den kommunalen Friedhöfen statt, über die Hälfte davon, wurden auf der Gemeinschaftsanlage bestattet, sagt eine Stadtsprecherin. „Etwa 20 Prozent davon haben keinen Namen auf den Erinnerungstafeln, aber einen Trend dafür sehen wir nicht.“ Auf den drei Rostocker Friedhöfen kamen im vergangenen Jahr 1223 anonyme Urnengemeinschaftsgräber hinzu. Davon waren knapp 570 mit Namen versehen. 

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erstellt am 31.Okt.2016 | 22:00 Uhr

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