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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 09:33 Uhr

Volle Notunterkünfte : Mehr als 100 Obdachlose in MV

vom
Aus der Onlineredaktion

Kommunen bieten Übernachtungsplätze. Die Sehnsucht nach eigenen vier Wänden ist groß

Der frühe Wintereinbruch in diesem Jahr trifft Obdachlose besonders hart. Zwar muss in Mecklenburg-Vorpommern niemand auf der Straße leben, da die Kommunen ausreichend Plätze in ihren Wohnungslosen-Unterkünften vorhalten, wie die Sprecher der größeren Städte im Land in einer Umfrage versicherten. Der Rostocker Streetworker Erik Niemierski, der mit Obdachlosen arbeitet und regelmäßig Treffpunkte aufsucht, weiß aber: „Grundsätzlich haben alle den Wunsch nach eigenem Wohnraum und einem bürgerlichen Leben, wie es ihnen ihre Umgebung vorlebt.“

Am Wohnmobil der Rostocker Obdachlosenhilfe gibt es Kaffee, Tee, Suppe, Bockwurst und Gespräche. Drei Standorte fahren Niemierski und seine Kollegen jede Woche an. Bis zu 30 Betroffene kommen jedes Mal, erzählt der Streetworker. Die Klientel sei unterschiedlich: Menschen, die Schicksalsschläge aus der Bahn geworfen haben. Die nicht in der Lage sind, ihr Geld einzuteilen, mit Ämtern umzugehen oder eine Hausordnung einzuhalten. Auch Haftentlassene seien darunter, die erst einmal keine Wohnung haben.

Die Notunterkünfte der Kommunen im Nordosten füllen sich angesichts der eisigen Temperaturen. Im Greifswalder Obdachlosenhaus leben derzeit 19 Männer, wie eine Stadtsprecherin sagte. Vorhanden seien in dem vor zwei Jahren eröffneten Neubau 20 Plätze. Zusätzlich gebe es ein Notzimmer mit sechs Betten, ein barrierefreies Zimmer und ein Krankenzimmer. In Schwerin sind nach Auskunft einer Rathaussprecherin aktuell 35 Menschen in der Wohnungslosenunterkunft untergekommen – der Jahresdurchschnitt liege bei 30 Personen. Stralsund hält in seiner vom DRK betriebenen Unterkunft 36 Plätze vor, von denen momentan nach Worten eines Stadtsprechers 30 belegt sind.

Auch Flüchtlinge sind von Wohnungslosigkeit betroffen, wie aus Neubrandenburg berichtet wird. Deshalb seien von den 79 Plätzen für Obdachlose 33 für anerkannte Flüchtlinge vorgesehen, erklärte Stadtsprecherin Kathleen Bötel. Die Zahlen seien durch den Zuzug von Flüchtlingen in das Oberzentrum des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte gestiegen. „Die Nachfrage ist gegenwärtig höher als vorhandener Wohnraum, so dass Wohnraumsuchende länger auf Angebote warten müssen“, sagte sie. Die Stadt Neubrandenburg wende derzeit jährlich rund 390 000 Euro für die Unterbringung von Obdachlosen auf. Schwerin plant mit 250 000 Euro, wie Sprecherin Michaela Christen sagte.

Im Landtag ist es für Linksfraktionschefin Simone Oldenburg ein unhaltbarer Zustand, dass eine dreistellige Zahl Menschen im Land keine Wohnung habe. „Jeder Mensch, ob ehemaliger Strafgefangener, ob Obdachloser, muss sozial so stabilisiert werden, dass er gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann“, forderte sie. „Dazu benötigen wir dringend mehr Sozialarbeiter, die mit weniger Klienten arbeiten müssen, um diese Stabilität der Frauen und Männer zu gewährleisten.“ Außerdem fehle es an Sozialwohnungen.

Niemierski versucht, Obdachlose von der Straße zurückzuholen und kann hin und wieder Erfolge verbuchen, wie er sagte. In 10 bis 15 Prozent der Fälle gelinge es, Betroffene wieder in eine Wohnung zu bringen. Zu seinem Job gehöre es, diese Menschen anschließend weiter zu betreuen, damit sie ihre eigenen vier Wände auch dauerhaft halten können.

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