zur Navigation springen

Mecklenburg Magazin

03. Dezember 2016 | 14:38 Uhr

Schaalfahrt : Wasserweg fürs „weiße Gold“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie im Mittelalter versucht wurde, mit der Schaalfahrt eine Verbindung zwischen Elbe und Ostsee zu erschließen

Die Hansestädte Lübeck und Lüneburg hatten bereits im Mittelalter enge Beziehungen. Lübeck benötigte das in Lüneburg gewonnene Salz für den Heringshandel, um die Fische zu konservieren. Zunächst erfolgte der Salztransport auf dem Landweg, insbesondere auf der heute als Alte Salzstraße bezeichneten Verbindung von Artlenburg über Mölln nach Lübeck. Eine weitere Verbindung bestand zwischen Boizenburg und Lübeck.

Die Stadt Boizenburg war im Mittelalter und der frühen Neuzeit durch das Leben an und mit der Elbe geprägt. Schifffahrt und Fischerei waren wichtige Erwerbszweige. Die Nähe der Salzstadt Lüneburg tat dabei ein Übriges. Lüneburger Schiffe brachten über die Ilmenau und die Elbe das „weiße Gold“ nach Boizenburg. Dort wurde es zwischengelagert und dann per Frachtfuhrwerk über Langenlehsten, an Mölln vorbei bis nach Fredeburg transportiert. Dort traf sich der Boizenburger Frachtweg mit der Salzstraße von Artlenburg , um dann über Sarau und Grönau den Zielort Lübeck zu erreichen.

Die Bedeutung dieser Salzstraßen wurde nach der Fertigstellung der Stecknitzfahrt 1391 geschmälert. Lüneburg kam durch diesen Kanal in eine Abhängigkeit von der Stadt Lübeck, die die Bedingungen des Salzhandels diktieren konnte. Zudem griff Lübeck durch den Handel elbaufwärts über die Stecknitzfahrt und die Elbe auch in das Stapelrecht Lüneburgs für den Elbhandel ein. Das führte zu der Überlegung, Handelswege nach Wismar auf dem Landwege, besser noch auf dem Wasserwege zu erschließen. Der Landweg führte von Boizenburg vorbei an Wittenburg über Gadebusch nach Wismar. Er konnte mit dem Salztransport auf der Stecknitzfahrt nach Lübeck jedoch nicht konkurrieren. Daher entstand der Plan, einen Kanal über die Schaale und den Schaalsee nach Wismar zu bauen. Bei Boizenburg mündet mit der Sude auch die Schaale in die Elbe. Die Schaale und der Unterlauf der Sude sollten nach dem Willen der Lüneburger zu einem Kanal, der Schaalfahrt, ausgebaut werden. Lüneburg erhielt, so schrieb es am 19. August 1412 der Boizenburger Chronist Jugler „... von dem Herzoge Johann III. zu Mecklenburg, und der Königin von Schweden und Herzogin zu Mecklenburg, Agnes, nebst ihrem Sohne, dem Herzoge Albrecht V. zu Mecklenburg, ein Privilegium zur Ausführung dieses Plans“. Die Schaalfahrt nahm ihren Anfang an der Mündung der Sude in die Elbe.

Die Schiffahrt auf dem Schwarzen Wasser, so nannte man den Unterlauf der Sude bis zum damaligen Bandekower See, der Sude und der Schaale war ständiger Streitpunkt zwischen Boizenburg und Lüneburg. Im Jahre 1422 erhielt das Boizenburger Schifferamt vom Herzog Albrecht V. das ausschließliche Recht, das Schwarze Wasser bis zum Bandekower See mit Schiffen und Flößen zu befahren. Doch schon 1430 erhielt Lüneburg das Privileg „zur Anlegung einer Schiffarth aus der Elbe bis in den Schaalsee ... und auch weiter aus dem Schaalsee bis Wismar oder soweit man mit Fahrzeugen kommen könnte...“, so die Überlieferung durch den Chronisten Jugler. Im gleichen Jahre wurde ein Vergleich zwischen Lüneburg und Boizenburg unter Vermittlung der Landesherrschaft geschlossen, der die Benutzung der Schaalfahrt bis in die Ostsee für beide Städte gestattete. Im Jahre 1510 wurde das Boizenburger Schifferamt mit der alleinigen Schifffahrt auf der Sude privilegiert. 1553 aber bestätigte Herzog Johann Albrecht die Lüneburger Privilegien für die Schaalfahrt und im gleichen Jahr auch für das Boizenburger Schifferamt. Dies wiederholte Herzog Ulrich noch einmal 1557 und 1561. Jugler schreibt: „Zwischen 1550 und 1560 machten endlich die Lüneburger den Anfang mit der wirklichen Ausführung ihres Planes zum Canale. Die Boitzenburger setzten sich abermals mit ihren Privilegien dagegen, beruhigten sich aber durch Vermittlung der mecklenburgischen Landesherrschaft. Die Lüneburger legten nun 15 Schleusen auf der Schaale an, leiteten Bäche hinein, und gruben die Krümmungen ab...“ 1561 bestätigt Herzog Johann Albrecht das Privileg von 1412 und setzt Lüneburg in den Besitz der Schaalfahrt ein.

Da man wohl die schwierigen topographischen Bedingungen zwischen dem Schaalsee und Wismar nicht genügend berücksichtigt hatte, kam die Verbindung nicht zustande. Die ausgebaute Schaalfahrt wurde dann bis in das frühe 19. Jahrhundert zum Flößen von Holz aus den mecklenburgischen und lauenburgischen Wäldern benutzt, die dadurch ruiniert wurden.

Die Kanalisierung hat noch heute erkennbare Spuren durch Schleusen, Brücken, Furten und Flößwehre hinterlassen. Solche sind insbesondere eine Vielzahl von ehemaligen Flößteichen entlang des Schaalelaufs. Diese wurden an in die Schaale fließenden Gewässern mit Hilfe von Staudämmen angelegt. Sie dienten dazu, das Flößen durch Zugabe eines Wasserschwalls mit Hilfe des gestauten Wassers zu beschleunigen. Aus der Vielzahl soll hier der Stauteich an der L 51 zwischen Wiebendorf und Klein Bengerstorf genannt werden, der von der Straße aus gut sichtbar ist.


zur Startseite

von
erstellt am 12.Nov.2016 | 00:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen