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Mecklenburg Magazin

23. Januar 2017 | 15:50 Uhr

Friedrich Wachenhusen : Ein Mecklenburger Künstler

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Schweriner Friedrich Wachenhusen gehörte zu den Gründern der Ahrenshooper Malerkolonie. Ausstellung öffnet am 2. Dezember

Eindeutig: Das Bild zeigt den Schweriner Schlachtermarkt. Die Giebel an der Rückseite des Rathauses mit dem Durchgang zum Markt, Tauben, die auf dem Pflaster landen, Marktstände, alles ist wie immer. Wenn da nicht die Mode der Passanten wäre und der Dom, der noch keinen Turm hat. Dessen Bau begann 1889 und damit zwei Jahre nach der Entstehung von Friedrich Wachenhusens Gemälde. Das Bild gehört zu den Glanzstücken einer Personalausstellung im Schleswig-Holstein-Haus, die ab 2. Dezember den in Schwerin geborenen Maler würdigt.

Wachenhusen erblickte am 27. Mai 1859 in der Residenzstadt das Licht der Welt. Sein Vater war hier Gerichtsbeamter. Nach dem Schulabschluss studierte der zeichnerisch begabte Junge auf Wunsch des Vaters zunächst Architektur, bis er sich mit seiner Mal-Neigung durchsetzen konnte. Er wechselte in die Malklasse der Kunstakademie in Karlsruhe und 1884 nach Weimar, wo die Großherzogliche Kunstschule unter Theodor Hagen nach dem Vorbild der Schule von Barbizon zu neuen Ufern strebte.

Neben einem ungewöhnlich freizügigen Lehrbetrieb dominierten die Landschaftsmalerei mit der Freilichtmalerei und dabei die Orientierung auf Alltagsmotive. Das war im übrigen Deutschland nicht üblich, machte die Weimarer Kunstschule lange zur progressivsten deutschen Lehranstalt und prägte eine ganze Künstlergeneration mit Friedrich Wachenhusen und seinem Landsmann Franz Bunke. Zwischendurch logierte der „Maler Fritz Wachenhusen aus Weimar“ – so der Eintrag im Hotel-Gästebuch – zunächst einige Wochen in Wustrow, wobei er sich auch das noch unberührte Ahrenshoop erschloss. Das war der Beginn einer lebenslangen Beziehung.

Nach Abschluss seiner Ausbildung in Thüringen wirkte Wachenhusen einige Zeit als Kunstmaler in Hamburg und dann in Berlin, wo er eine Mal- sowie Zeichenschule unterhielt, ab 1889 dem Berliner Künstlerverein angehörte und 1895 auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“ mit seinen Landschaften vertreten war. Doch die Sommer gehörten dem Fischland. Zusammen mit dem Malerkollegen Paul Müller-Kaempff wohnte Wachenhusen bei „Mutter Schumacher“ in der Dorfstraße 11 sowie in der Pension „Charlottenhof“ im Grenzweg 2 in Ahrenshoop. Andere Maler folgten. Die Ahrenshooper Künstlerkolonie entstand, zu deren Gründern und wichtigsten Repräsentanten Wachenhusen zählt.

Es war eine bewegte Zeit, zu der – so wollte es zumindest der Dorfklatsch wissen – auch ein Techtelmechtel des Künstlers mit der Malerin Elisabeth Freiin von Eicken gehörte. 1897 heiratete Wachenhusen jedoch die Opernsängerin Eva Freiin von Gillern. Für sein Ehe- und Malerglück ließ er sich am Schifferberg 10 in Ahrenshoop ein Haus nach eigenen Plänen erbauen, wo er die Sommer und auch manchen Winter verbrachte. Parallel holte er zwei Schwestern von Schwerin nach Ahrenshoop, die seine Malschüler im benachbarten Dünenhaus betreuten.

Wachenhusen schuf eine Vielzahl von Landschaftsbildern, unterrichtete emsig Malschüler, um seine Einkünfte zu erhöhen, und verstand sich auch aufs Feiern mit den Malerkollegen. Bei alledem überragte der hünenhafte Künstler mit zwei Metern Größe und zwei Zentnern Gewicht seine Umgebung stets erheblich.

Wachenhusen zählte außerdem zusammen mit Müller-Kaempff zu den Hauptgründern des Ahrenshooper Kunstkatens, der im Stil eines Fischlandhauses gebaut und 1909 eröffnet wurde. Der Kunstkaten sollte der architektonischen Verfremdung des Ortes durch den Tourismus entgegenwirken und als Ausstellungsort sowie Begegnungsstätte der Malerkolonie mit Käufern dienen. Das gelang. Doch mitten in die Blüte des aufstrebenden Kunstbetriebs traf Wachenhusen 1910 ein schwerer Schlag: Seine Frau starb.

1912 heiratete der Maler die um 20 Jahre jüngere Lucie Schindowski. Dann kam der Erste Weltkrieg, der die erste Generation der Ahrenshooper Malerkolonie in alle Winde vertrieb und Wachenhusen bewog, fortan in seinem Haus in Schwerin-Görries zu wohnen. Nach 1920 verkaufte er seine Ahrenshooper Häuser. Nun meldete sich auch bei ihm das Alter. 1925 starb der bedeutende Landschafter in Schwerin. Nach der Einäscherung im Lübecker Krematorium fand die Urnenbeisetzung auf dem Schifferfriedhof von Ahrenshoop statt.

Ein Jahr danach widmete ihm das Schweriner Landesmuseum eine Gedächtnisausstellung. 1976 gehörte Wachenhusen zu den Protagonisten der Schweriner Ausstellung „100 Jahre Mecklenburger Malerei“. Zehn Jahre später gelang dem Museum schließlich der Ankauf des Bildes „Dorfstraße im Schnee“, das zu den Highlights der Landschaftsmalerei in Mecklenburg gezählt wird.

Ab 2. Dezember wird dem Maler Wachenhusen mit der Personalausstellung im „Schleswig-Holstein-Haus“, entstanden in Kooperation mit der Stiftung Mecklenburg, nun ein weiteres Mal in Schwerin besondere Beachtung zuteil. Die Schau ist bis zum 5. März 2017 geöffnet.

Martin Stolzenau

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