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Mecklenburg Magazin

02. Dezember 2016 | 23:16 Uhr

Natureum Ludwigslust : Den Kinderschuhen entwachsen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geschichten aus dem Museum: Das Natureum in Ludwigslust wird ausschließlich von Ehrenamtlichen betrieben

An der rechten Seite des Ludwigsluster Schlossparks versteckt sich hinter einer hohen Hecke das Natureum. Öffnet der Besucher die Tür, kommt ihm ein Storch im Tiefflug entgegen. So scheint es jedenfalls. Das ist die erste, aber nicht die einzige Überraschung, die dieses alte Haus birgt. Das Gebäude selbst ist nicht nur alt, sondern hat eine auch spannende Geschichte. Der Hausherr, Uwe Jueg, spricht gerne von den drei Besonderheiten des Natureums Ludwigslust.

Vor zehn Jahren wurde im Schatten des Schlosses eine eindrucksvolle Ausstellung zur Natur und Landschaft Mecklenburgs eingerichtet. Die Naturforschende Gesellschaft Mecklenburg e.V. kaufte 2001 das marode, leerstehende, vormalige Wohnhaus für den symbolischen Preis von einer D-Mark, um ihre Sammlungen öffentlich zugänglich zu machen. Insbesondere zwei Personen ist die Initialzündung für das Museum zu verdanken. Einmal dem ehemaligen Bürgermeister Hans Jürgen Zimmermann und dem Zoologen und Paläontologen Dr. Wolfgang Zessin aus Jasnitz.

Der damalige Ludwigsluster Bürgermeister wünschte sich für das historische Gebäude eine öffentliche Nutzung, was die Stadtvertreter mit ihrem Beschluss unterstützten. Dr. Wolfgang Zessin verwirklichte einen Traum. Er hatte schon in den 80-er Jahren die Idee, ein solches Museum in Schwerin ins Leben zu rufen. Die Sanierung kostete eine halbe Million Euro und wurde mit Hilfe von Sponsoren und Förderern gestemmt. „Am 21. Mai 2006 wurde das bisher erste und bisher einzige Naturmuseum in Westmecklenburg eröffnet“, betont Uwe Jueg, Vorsitzender der Gesellschaft. „Museum heißt sammeln, bewahren, forschen und ausstellen.

Das Natureum hat eine Ausstellung im Erdgeschoss, einen Raum für Sonderausstellungen im Obergeschoss und einen Bereich für wissenschaftliche Arbeit und Sammlung. Einen Bereich für wissenschaftliche Arbeit hat nicht jedes Museum“, so der engagierte Ludwigsluster. In der Dauerausstellung, die sich über fünf Räume erstreckt, wird die Natur Westmecklenburgs veranschaulicht. Zu sehen sind verschiedene, von den Mitgliedern des Vereins gespendete Tierpräparate wie Adler und Marder. Im Geologieraum befinden sich Gesteine und Fossilien aus allen Erdepochen, darunter ein Mammutknochen aus der Kiesgrube Zweedorf und ungenießbarer Sternberger Kuchen. Im Botanikraum wird ein Überblick über die wichtigsten Biotope gegeben, eine Zapfensammlung gezeigt. Der Besucher erfährt Interessantes über kleine, grüne, oft übersehene Pflanzen, die Moose. Eine umfangreiche Sammlung heimischer Pilze ist im nächsten Raum ausgestellt. Pilzsammler können sich hier gut auf ihre Pirsch durch den Wald vorbereiten.

Des Weiteren sind heimische Vögel, Säugetiere, Schmetterlinge, Schnecken und Muscheln und vieles mehr zu bestaunen. Ja bestaunen, denn darunter sind wunderschöne Tiere wie der farbenfrohe Eisvogel, die Blauracke und der majestätische Kranich. Am Ende des Rundganges vermitteln Tafeln Wissen über die Natur im Ludwigsluster Schlossgarten. Die Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft haben ihn kartiert. „Wir haben in dem sieben Quadratkilometer großen Gelände etwa 4 500 Arten nachgewiesen. Kein anderes Gebiet Deutschlands in dieser Größe ist besser untersucht“, sagt der Biologielehrer.

Es entstand ein dickes Buch über alle Arten und die Geschichte des Schlossparks. Heute forschen Schüler an Projekttagen im Schlossgarten. Im Museum gibt es dazu extra einen Seminarraum gleich neben den umfangreichen Sammlungen, die bis zu 100 Jahre alt sind. Der bekannte Wissenschaftler Walter Dahnke war einer der Sammler. Was machen die Schüler an den Projekttagen? „Zum Beispiel eine Tümpeltour, dann gehen wir an den Teich und schauen, was sie mit dem Kescher fangen. Oder wir untersuchen die Wiese mit dem Kescher“, erklärt Uwe Jueg. Die Ausbeute wird ausgewertet und mit der Sammlung verglichen. „Die Kinder haben dabei zwei neue Arten entdeckt. Mädchen aus der 5. Klasse fanden den Gaukler, einen großen Wasserkäfer. Andere Schüler fingen auf der Wiese zwei Heuschrecken. Zur Überraschung waren es zwei unterschiedliche Arten, darunter eine unbekannte Art. Die Funde werden in der Vereinszeitschrift gewürdigt.“

Das Museumsgebäude stand ursprünglich neben dem alten Jagdschloss im damaligen Dorf Klenow. Wahrscheinlich Mitte des 18. Jahrhundert gebaut, diente es ursprünglich als Fontänenhaus für die Wasserspiele im Park. Oben befand sich ein Behälter, in den man Wasser hochpumpte, um die Fontänen zu speisen. Nach dem Bau des Ludwigsluster Kanals konnten die Wasserspiele und Kaskaden im Schlosspark ohne Pumpen betrieben werden. Das Fontänenhaus wurde überflüssig. Es wurde umgebaut und um zwei Achsen verlängert. Hofbedienstete zogen ein. Später war es ein normales Wohnhaus. Es gilt als ältestes Gebäude in Ludwigslust.

Lassen wir Uwe Jueg noch einmal zu Wort kommen: „Eigentlich gibt es drei Besonderheiten des Museums. Es ist das älteste Gebäude in Ludwigslust, das einzige Naturmuseum in ganz Westmecklenburg und das gesamte Museum wird ausschließlich ehrenamtlich betrieben.“

 

 

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erstellt am 29.Okt.2016 | 00:00 Uhr

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