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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 05:36 Uhr

Empörung im Schweriner Landgericht : Mädchen missbraucht – Bewährung

vom
Aus der Onlineredaktion

Mutter in Schweriner Gericht empört über Urteil. Geständnis und Schmerzensgeld strafmildernd

Kurz bevor der Gerichtssaal für die Urteilsverkündung aufgeschlossen wurde, hat auf dem Flur davor die Mutter eines sexuell missbrauchten Mädchens ihrer Wut ein kleines Stück weit nachgegeben. Energischen Schrittes ging sie auf den Angeklagten zu und machte ihm laut und deutlich klar, dass sie seine Entschuldigung niemals annehmen werde. Während er gut zwei Jahre nach den Taten wieder in „geordneten“ Verhältnissen lebe, leide ihre Tochter immer noch an den Folgen der Übergriffe.

Wenig später verurteilte gestern das Landgericht Schwerin den 42-jährigen KfZ-Mechaniker wegen einfachen und schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Strafe von zwei Jahren Gefängnis, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Im Frühjahr und Sommer 2014 hatte Rico M. (Name geändert) sich zehnmal an der damals 13-jährigen Schulfreundin seiner eigenen Tochter vergangen. Er hatte sie an intimen Stellen angefasst und gestreichelt, war mit dem Finger in sie eingedrungen. Das Nachbarsmädchen war ihm seit mehreren Jahren vertraut, da es häufig zu Besuch kam.

Der Vorsitzende Richter Armin Lessel bemühte sich, der Familie des Mädchens den Spagat zu erklären, den Richter vollbringen müssen, um in Missbrauchsfällen das Opfer gebührend zu würdigen und gleichzeitig dem Täter und dem Gesetz gerecht zu werden. Ausschlaggebend für die Höhe der Strafe, die auch nach Ansicht des Staatsanwaltes nicht hätte schärfer ausfallen sollen, war das Geständnis des Angeklagten. So ersparte er dem Mädchen, vor Gericht detailliert aussagen zu müssen. Im Vergleich zu anderen Sexualtätern wiegen seine Straftaten zudem minder schwer. Strafmildernd war auch das Schmerzensgeld in Höhe von 10 000 Euro, das Rico M. vor dem Prozess an die Familie des Mädchens gezahlt hat. Ohne diese Zahlung wäre er wohl kaum mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen. Und zu seinen Gunsten sprach nach Ansicht des Gerichts auch seine Bitte um Entschuldigung. Ob sie angenommen wird, spielt für die Strafhöhe keine Rolle.

Er schäme sich „für diese Taten, die ich durchgeführt habe“, hatte der langjährige Bundeswehrsoldat ausgesagt. Er habe viel mit seinen Kindern und der Nachbarstochter gespielt, herumgetollt und manchmal herumgeknuddelt. Irgendwann, „warum auch immer“, fügte er hinzu, habe er seine „Sorgfalt“ nicht mehr walten lassen, und so sei es zu den Übergriffen gekommen.

Rico M. lebt inzwischen in einer anderen Stadt bei einer neuen Freundin. Seine Frau hat ihn mit den Kindern verlassen. Er sei offenbar „weich gelandet“, befand die Rechtsanwältin der Eltern des missbrauchten Mädchens, das inzwischen mehrere Klinikaufenthalte hinter sich sich.

Der Vater des Mädchens berichtete, es habe auch vorher an Ess-Störungen gelitten. Die Eltern machten u.a. den Leistungsdruck an der Schule dafür verantwortlich. Als die Eltern durch eine Lehrerin von Selbstmord-Absichten ihrer Tochter erfuhren, brachten sie sie im Sommer 2014 erneut in eine Klinik. Dort offenbarte das Mädchen die Übergriffe durch Rico M. Er wurde bei einer Familienfeier festgenommen.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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