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Mecklenburg-Vorpommern

27. Mai 2016 | 22:04 Uhr

Spitzenforschung : Leuchtende Beweise im Labor

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwei Wissenschaftlerinnen in Dummerstorf entwickeln Biomarker weiter / Teil 2 unsere Serie

Krank oder nicht – das können Ärzte manchmal nicht so einfach feststellen. Gerade bei schwerwiegenden Krankheiten wie Krebs brauchen sie aber eine sehr sichere Diagnose, um die Behandlung auf den Einzelnen zuschneiden zu können. Das gilt für menschliche Patienten genauso wie für Tiere. „Bestimmte Parameter, etwa im Blut, zeigen an, ob jemand eine bestimmte Erkrankung hat – das nennt man Biomarker“, erklärt Dr. Elisa Wirthgen von der Firma Ligandis. „Beim Verdacht auf Diabetes zum Beispiel macht man einen Test mit Glukose als Biomarker.“

Die Biologin hat in Leipzig studiert und war später Doktorandin am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock. Jetzt arbeitet sie gemeinsam mit Dr. Christine Höflich, die früher in der klinischen Forschung tätig war und jetzt Geschäftsführerin des jungen Unternehmens Ligandis, einer Ausgründung aus dem FBN, ist. Um herauszufinden, ob eine Krankheit vorliegt, benötigen sie Körperflüssigkeiten wie Blut, Gehirn- oder Kniewasser oder festes Gewebematerial. Dieses wird vom Kunden eingeschickt und im Dummerstorfer Labor analysiert. Kunden sind Forschungsinstitute, Uni-Krankenhäuser, Tierkliniken und die Pharmaindustrie. „Unsere Biomarker sind Proteine, also Eiweiße“, erläutert Dr. Höflich. „Wir bringen die Probe auf ein Gel und trennen sie auf. Dann testen wir, in welcher Menge sie vorhanden sind, indem wir einen sogenannten Liganden dazugeben, also einen Stoff, der im Körper ebenfalls mit dem Biomarker reagiert. Er trägt ein Molekül, das später Licht abgibt. Je mehr er vorhanden ist, desto stärker leuchtet er.“ Die Analyse dauert etwa drei Tage. „Wir haben mehr den Blick auf den humanmedizinischen Bereich, weil der Markt viel größer ist als der für Nutztiere“, sagt Dr. Wirthgen.

Und das nicht nur in Deutschland: Die Forscherinnen haben bereits Proben aus Kanada und Belgien, aus Ungarn, der Schweiz und den USA analysiert. „Es ist ein Funktionstest – im Gegensatz zur bisherigen Methode, die nur das reine Vorhandensein bestimmter Stoffe zeigt“, so Dr. Höflich. „Unser Test ist einmalig.“ Die von Ligandis untersuchten Biomarker spielen eine Rolle beim Wachstum von Zellen, bei deren Stoffwechsel und Alterung. Bei Krebs etwa wuchert Gewebe schnell, bei rheumatischer Arthritis finden Veränderungen im Gewebe statt - deshalb sind die Marker dann deutlich nachzuweisen. Insgesamt dient die Messung der Einschätzung der Gesamtsituation des Patienten oder des Therapieerfolgs. Zunehmend wird auf individuelle Behandlung Wert gelegt - dabei hilft die neue Methode. „Unser Ziel ist es, bei klinischen Studien als zertifiziertes Forschungslabor für Biomarker zu arbeiten“, sagt die Geschäftsführerin. Die Wissenschaftlerinnen sind seit etwa anderthalb Jahren auf diesem Weg.

Dabei werden sie von Prof. Friedrich Metzger beraten, der als Labor- und Projektleiter beim Schweizer Pharmakonzern Hoffmann-La Roche in Basel tätig ist. Er kennt die nötigen Standards. „Ligandis kann sich jetzt mit der neuen Methode an potentielle Kunden wenden“, so Metzger. „Ich sehe eine relativ große Chance, dass sie ein bestimmtes Marktsegment abdecken wird. Denn ihr Test bietet deutlich mehr Informationen als herkömmliche Systeme.“ Er meint, für Fachärzte, die sich mit Stoffwechselvorgängen beschäftigen, sei die Methode ganz wesentlich. Wissenschaftlich sei es vollkommen überzeugend, dass Ligandis ein großer Schritt vorwärts gelungen ist.

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erstellt am 29.Okt.2014 | 07:30 Uhr

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