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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 04:03 Uhr

Behördendeutsch : „Leichte Sprache“ ab 2018 Pflicht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bescheide müssen ab 2018 in “leichter Sprache“ formuliert sein. Die Rentenversicherung machts vor

Die „Rente“ ist in der Sprache allgegenwärtig. Doch für viele Menschen ist selbst dieser scheinbar so einfache Begriff nur schwer verständlich. Für sie hat die Deutsche Rentenversicherung inzwischen ein eigenes Internetangebot. In sogenannter Leichter Sprache wird dort erklärt: „Menschen werden alt. Sie müssen dann nicht mehr zur Arbeit kommen. Man sagt auch: Sie gehen dann in Rente.“ Die Rentenversicherung macht vor, was ab 2018 für Bundesbehörden Pflicht ist. Dann müssen sie ihre Bescheide in „Leichter Sprache“ herausgeben.

Ein Netzwerk von Institutionen kümmert sich seit Jahren darum, dass diese verständlichere Sprache bei Ämtern und Unternehmen in den Alltag einzieht. In Bayern sind daran die kirchliche Stiftung Dominikus-Ringeisen-Werk, eine Medienwerkstatt aus München und das Fach-Zentrum für Leichte Sprache der Augsburger Caritas beteiligt. „Unsere Auftraggeber können ihre Inhalte häufig nicht einmal selbst in einfachen Worten zusammenfassen“, sagt Kristina Wehner vom Augsburger Zentrum. Dies zeigt nach Ansicht der Übersetzerin, dass die „Leichte Sprache“ nicht nur für Menschen mit Leseschwäche notwendig sei.

Primär richtet sich die leicht verständliche Sprache an Lernbehinderte, geistig Behinderte, Demenzkranke oder auch Ausländer, die nur wenig Deutsch können. Immer mehr Ämter und Unternehmen denken bei ihren Broschüren und Netzver-
öffentlichungen inzwischen um, vermeiden Bandwurmsätze und verschachtelte Texte. „Nur wenn man alles versteht, kann man auch überall mitmachen“, betont die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele.

In Augsburg werden Texte übersetzt. „Unsere Mitarbeiter entscheiden darüber, was in den Texten für sie verständlich ist und was nicht“, erklärt Wehner das Prinzip. „Sie sind sozusagen Prüfer und Zielgruppe in einem.“ So gehen Maria Hütter und Tanja Greisel mühsam durch einen Text, der sich mit einer Explosion mit mehreren Toten in einer Chemiefabrik in Ludwigshafen beschäftigt. „Warum macht man es so kompliziert, wenn es auch einfach geht?“, seufzt Hütter, als sie das schwierige Wort zu entziffern versucht. „Che-mi-ka-li-en“, betont Kollegin Greisel jede einzelnen Silbe. Das ganze Wort ergibt für sie dennoch keinen rechten Sinn. Es wird mit grünem Leuchtstift markiert, damit Wehner die schwere Sprache in leichte übersetzen kann.

Das Netzwerk Leichte Sprache in Münster hat für solche Fälle einen Regelkatalog aufgestellt. Demnach sind Fach- und Fremdwörter sowie Abkürzungen tabu, und es sollen nur kurze Sätze verwendet werden. Außerdem gilt die Faustformel: „Nur eine Aussage pro Satz!“ Durch Bebilderung und große Schrift soll das Verständnis weiter verbessert werden. Wenn ein Text diese Vorgaben erfüllt, bekommt er ein Siegel.

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erstellt am 21.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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