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Mecklenburg-Vorpommern

30. Mai 2016 | 20:19 Uhr

Nach MEK-Einsatz in Lutheran : Landtag zitiert Caffier

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Innenminister informiert über die folgenschwerer Polizeiaktion im Innenausschuss. Die Opposition drängt auf Aufklärung.

Die umstrittenen Polizeieinsätze zur Festnahme der Hamburger Rotlichtgröße Nico S. in Lutheran bei Lübz und in Plau am See sind zum Streitthema der Landespolitik geworden. Vor allem die Opposition will Aufklärung und zitierte gestern Innenminister Lorenz Caffier (CDU) vor den Innenausschuss, wo er in nichtöffentlicher Sitzung informieren musste.

Unzufrieden zeigte sich Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion, nach der Aussprache. „Es sind eine Reihe zentraler Fragen offen geblieben“, sagte der Abgeordnete gegenüber unserer Redaktion. Er habe den Eindruck gewonnen, dass die Aktionen zwischen den Behörden in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern schlecht abgestimmt waren.

Bei dem Polizeieinsatz in Lutheran war am 12. Februar der Autofahrer David A. von einem Hamburger Polizisten angeschossen und schwer verletzt worden. Er ist inzwischen aus dem Koma erwacht. In dem Fahrzeug hatten die Beamten fälschlicherweise Nico S. vermutet.

„Vor dem Einsatz hatten die Hamburger Polizisten ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern offenbar nicht ausreichend informiert“, so Ritter. Deshalb und wegen fehlender Ortskenntnis hätten die Polizisten den Zugriff mitten in einer Ortschaft vor einer geöffneten Fleischerei durchgeführt. Dadurch seien auch Bewohner des Ortes in Gefahr geraten. Bei besserer Abstimmung zwischen den Behörden hätte sich nach Ritters Auffassung ein geeigneterer Ort des Zugriffs finden lassen.

Auch die erste Festnahmeaktion zwei Tage zuvor in Plau am See, wo das Spezialeinsatzkommando (SEK) des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern im Auftrag der Hamburger Polizei fälschlicherweise drei unbeteiligte Bauarbeiter bei der Suche nach Nico S. überwältigte, hätte bei besserer Koordinierung vermieden werden können. Ritter: „Da hat es offensichtlich Missverständnisse gegeben.“

Der Schweriner Landtagsabgeordnete will weiter auf Aufklärung drängen. Er kündigte in dem Zusammenhang ein gemeinsames Vorgehen mit den Linken in der Hamburger Bürgerschaft an.

Bislang konnte die Polizei den flüchtigen Nico S. trotz intensiver Suche nicht finden. Nach Informationen unserer Redaktion soll er sich derzeit im Ausland aufhalten. Der 38-jährige Gesuchte hatte einen Dieb krankenhausreif geschlagen, der eine Prostituierte bestohlen hatte. Für die Tat wurde S. zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Die Haftstrafe trat er allerdings nicht an. Sein Anwalt Benjamin Richert kündigte gegenüber unserer Redaktion an, dass sich sein Mandant spätestens in der kommenden Woche freiwillig der Polizei stellen will.

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erstellt am 25.Feb.2016 | 20:45 Uhr

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