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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2016 | 01:18 Uhr

Jugendschutz : Läden verkaufen Schnaps an Kinder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Suchtexperten fordern generelles Alkoholverbot für Jugendliche unter 18 Jahren

Eric stellt eine Flasche Havana Club auf das Laufband. Dann vergräbt er seine Hände in den Taschen seiner Jacke. Die Flasche enthält hochprozentigen Rum. Genug, um einen erwachsenen Mann betrunken zu machen. Doch Eric ist erst 16 Jahre alt. Die Kassierin nimmt die Flasche, zieht sie über den Scanner. „Das macht 11,40 Euro.“ Der Jugendliche bezahlt. Ein Kinderspiel.

Was die Verkäuferin nicht weiß: Eric ist ein Lockvogel. Für die Rostocker Agentur „Kaufmann und Kirner“ testet der 16-Jährige, ob Geschäfte das Jugendschutzgesetz einhalten. Das Ergebnis: In mindestens einem von zehn Läden bekommt der Schüler Alkohol ausgehändigt – so wie in diesem Fall. „Ich hatte noch überlegt, ihn nach dem Ausweis zu fragen. Aber meistens sind die dann doch über 20 Jahre alt“, erklärt sich die Verkäuferin. Für den Projektleiter der Agentur, Christian Pampuch, eine bekannte Ausrede. „Vor allem, wenn die Schlange an der Kasse sehr lang ist, verzichten Verkäufer häufig auf die Kontrolle, um Zeit zu sparen“, erzählt er. Andere schauten unter Zeitdruck nicht so genau hin, obwohl Kassensysteme beim Scannen von Alkohol, Zigaretten und Glücksspielen Hinweise geben.

Diese Fahrlässigkeit ist jedoch ein großes Problem, meint Rainer Siedelberg, Geschäftsführer der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung MV (Lakost). „Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren tragen ein erhöhtes Risiko für alkoholbedingte Schäden“, erklärt er. Aufgrund des Wachstums seien Heranwachsende besonders anfällig für die toxische Wirkung von Alkohol. Das durchschnittliche Einstiegsalter für das Rauschmittel liege bei 14 Jahren. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung trinken 14,2 Prozent der 12- bis 17-Jährigen bereits regelmäßig; 3,7 Prozent sogar häufig Alkohol. Mit teils fatalen Folgen. Im Jahr 2014 landeten knapp 300 Kinder und Jugendliche in MV mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus.

Rainer Siedelberg fordert daher, dass Alkohol generell erst an Jugendliche über 18 Jahren verkauft werden darf. Bisher gilt das laut Gesetz nur für branntweinhaltige Getränke. Andere alkoholische Getränke, wie Bier, Wein oder Sekt, dürfen bereits 16-Jährigen erwerben. Der Suchtexperte fordert, das Jugendschutzgesetz besser einzuhalten. „Das Personal muss häufiger geschult werden. Und bei Verstößen muss es Konsequenzen wie Verwarnungen, Bußgelder und Verkaufsverbot von Alkohol geben.“

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erstellt am 23.Mär.2016 | 20:55 Uhr

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