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Kultur MV

26. August 2016 | 12:16 Uhr

Nach umstrittener Äußerung : Rostocker Theaterintendant Latchinian entlassen

vom

Seit Monaten wogte der Streit um die Zukunft des Volkstheaters. Wortreich kämpfte Intendant Latchinian gegen die Landes- und Kommunalpolitik. Ein Vergleich der Theaterpolitik mit Zerstörungen der Terrormiliz IS brachte nun seine fristlose Entlassung.

Der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, ist fristlos entlassen worden. Grund ist eine Äußerung Latchinians bei einer Demonstration Anfang März, als er die Theaterpolitik in Mecklenburg-Vorpommern mit den Kulturzerstörungen durch die Terrormiliz Islamischer Staat verglich. Nach Angaben der Stadtverwaltung vom Dienstag folgte die Mehrheit des zuständigen Hauptausschusses der Bürgerschaft einem entsprechenden Antrag von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos).

Nach Methlings Ansicht verstoßen die Äußerungen Latchinians gegen den Charakter des bis Juli 2019 laufenden Vertrags. Sie ließen Zweifel am Vertrauensverhältnis mit der Bürgerschaft aufkommen. Die Bürgerschaft hatte im Februar Strukturveränderungen beschlossen, unter anderem soll aus dem Vier- ein Zwei-Sparten-Theater werden. Die Entlassung Latchinians, der erst seit der Spielzeit 2014/15 in Rostock als Intendant arbeitet, ist der Höhepunkt eines monatelangen Streits um Kürzungen im Volkstheater und die Ausrichtung der Theaterpolitik im Nordosten.

Latchinian hatte bei der Demonstration in Neustrelitz gesagt: „Seit Wochen zerstören (...) IS-Schergen im Irak die jahrtausendealten Weltkulturerbestätten Nimrud und Kirkuk, aus religiösen Vorwänden.

Und hier bei uns in Mecklenburg-Vorpommern - ich setze das nicht gleich, aber vergleichen muss man das schon - hat momentan im Namen des Geldes die Zerstörung funktionierender Theaterstrukturen begonnen.“

Latchinian hatte nachträglich betont, dass er mit dieser Äußerung an die Verantwortung erinnern wollte, behutsam mit dem Kulturerbe umzugehen. Allerdings habe er als Künstler das Recht auf poetische und satirische Zuspitzung. Eine Reaktion von Latchinian auf seine Entlassung war zunächst nicht zu erhalten.„Ich bedauere, dass wir zu dieser Entscheidung gezwungen waren“, sagte Methling. „Wir werden dafür Sorge tragen, dass das Volkstheater in sicherem Fahrwasser bleibt.“

Vor der Sitzung des Hauptausschusses hatten rund 500 Menschen vor dem Rathaus ihre Solidarität mit Latchinian geäußert. Dabei hatte die Aufsichtsratsvorsitzende des Theaters, Eva-Maria Kröger, noch vor der Entlassung gewarnt. Diese hätte sofort dramatische Auswirkungen auf den Spielbetrieb. Während der Sitzung waren mehr als 200 Demonstranten in das Rathaus eingedrungen, um sich für Latchinian einzusetzen. Sie störten lautstark den Hauptausschuss, bis der Intendant selbst herauskam, um die Lage zu beruhigen.

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