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Kultur MV

24. Juli 2016 | 22:22 Uhr

Barrierefreiheit Festspiele MV : Musik in Gebärden übersetzt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nicht nur die Festspiele MV bieten 2016 mehr barrierefreie Veranstaltungen an. Kleines Schweriner Projektbüro hat daran großen Anteil

Wenn am 17. Juni in der Wismarer St.-Georgen-Kirche die diesjährigen Festspiele Mecklenburg-Vorpommern eröffnet werden, kommen selbst solche Gäste auf ihre Kosten, die die Musik nicht hören können. Gebärdendolmetscher machen die Klänge dann auch für diese Menschen erlebbar – und für alle anderen sicher noch mehr zu einem Erlebnis.

Bereits im vergangenen Jahr haben die Festspiele erste barrierefreie Angebote unterbreitet, die es auch Besuchern mit Handicap ermöglichen, das Klassikfestival zu besuchen.

In diesem Sommer wird das Angebot nun ausgeweitet – auch dank einer Kooperation mit dem Modellprojekt „Barrierefreie Großveranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern“.

Die beiden Projektmitarbeiter Katharina Rupnow und Kevin Weltzien rühren seit Juli 2015 landesweit die Werbetrommel dafür, mehr Veranstaltungen für jedermann zugänglich zu machen. „Barrierefreiheit bedeutet ja nicht nur, dass Rollstuhlfahrer, Rollator-Nutzer oder Eltern mit einem Kinderwagen den Veranstaltungsort erreichen und dort auch auf Toilette gehen können“, so Katharina Rupnow – viele Veranstalter würden allerdings genau das annehmen. Sensibilisiere man sie dafür, beispielsweise auch an seh- oder hörgeschädigte Besucher zu denken, stoße man aber auf große Bereitschaft mitzumachen, ergänzt Kevin Weltzien. Am Montag wollen beide auf einer Fachtagung in Schwerin darstellen, welche Möglichkeiten für barrierefreie Veranstaltungen es gibt.

Die Festspiele, die ihre speziellen Angebote dann ebenfalls vorstellen wollen, haben mittlerweile ihr Veranstaltungsprogramm als barrierefreies Dokument in ihren Internetauftritt integriert (www.festspiele-mv.de/barrierefrei). Dort finden sich auch Hinweise darauf, bei welchen Konzerten hörverstärkende Funkübertragungen zur Verfügung stehen – außer beim Eröffnungs- und beim Abschlusskonzert ist dies unter anderem am 3. Juli in Ulrichshusen, am 7. Juli in Hasenwinkel, am 22. Juli in Wismar und am 2. September in der Ludwigsluster Stadtkirche der Fall. Gebärdendolmetscher werden außer bei der Eröffnung auch beim Abschlusskonzert in Neubrandenburg (17. September) und am ersten Tag des Kleinen Festes im Großen Park zum Einsatz kommen. Für Sehbehinderte wird es beim Kleinen Fest in Ludwigslust darüber hinaus auch wieder taktile Lagepläne geben. Die Programmhefte für alle Konzerte werden in diesem Sommer auf Nachfrage als barrierefreies PDF oder in Brailleschrift verschickt.

Bereits zum zweiten Mal bieten auch die Festspiele Wismar in diesem Sommer besondere Vorstellungen für Hör- und Sehgeschädigte an: Im letzten Sommer konnten sie dank Schrift - und Gebärdendolmetschern bereits eine Vorstellung des „Jedermann“ miterleben. In diesem Jahr wird es beim „Faust“ wieder solch eine Spezialvorstellung geben: Am 24. Juli ist es so weit.

Andere Veranstalter erleichtern erstmals den Zugang zu ihren Veranstaltungen: „Die Stadthalle Rostock beispielsweise hat sich auf unsere Intervention hin eine eigene hörverstärkende Anlage angeschafft“, so Kevin Weltzien. „Noch im Januar soll sie erstmals zum Einsatz kommen.“ Auch mit dem Veranstalter von „Rostock rockt“ sind die beiden Projektmitarbeiter in intensiven Gesprächen – „schließlich wollen wir nicht nur ,schwere‘ Kultur für jedermann erlebbar machen, sondern auch leichte wie Pock und Pop“, ergänzt Katharina Rupnow. Ganz wichtig sei allerdings, dass Menschen mit einem Handicap solche Angebote auch tatsächlich wahrnehmen beziehungsweise bei Veranstaltern gezielt nachfragen, ob man nicht auch ihnen die Teilnahme ermöglichen kann. Die Festspiele MV, so lobt Kevin Weltzien, hätten dafür sogar eigens eine Mitarbeiterin eingestellt, die Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um barrierefreien Kunstgenuss ist.

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erstellt am 17.Jan.2016 | 09:00 Uhr

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