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Kultur MV

28. September 2016 | 02:04 Uhr

Mecklenburgisches Staatstheater : Lustige Witwe musikalisch brillant

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Premiere von Franz Lehárs Operette in Schwerin war großer Erfolg / Vor allem Freunde der Komik kommen auf ihre Kosten

Durch die gegenwärtigen internationalen Flüchtlingsprobleme ist uns das Problem Griechenland mit seinen maroden Staatsfinanzen aus dem Blickfeld geraten. Doch wer am Freitagabend im Großen Haus des Staatstheaters Schwerin in der Premiere der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár saß, den konnte die Erinnerung daran schnell wieder einholen.

Die Inszenierung der jungen Gastregisseurin Cordula Däuper nahm gar keinen Bezug auf diesen Vergleich. Doch was fällt einem ein, wenn der Fantasiestaat Pontevedro vor dem finanziellen Bankrott steht und die Bankierswitwe Hanna Glawari, die allein noch Millionen besitzt, dieses Kapital durch Heirat ins Ausland transferieren will? Schicken wir nicht mehr oder weniger fähige Diplomaten nach Athen, so wie Lehár den Baron Zeta auf die Witwe loslässt, um ihr Geld im Land und dem Staat verfügbar zu halten? Die aber schert sich nicht um den Baron und nicht ums Vaterland, sondern lebt ihren eigenen (Liebes-)Interessen.

Diese Gedanken kann man sich machen, wenn auf der Bühne die Pariser Verehrer die reiche Witwe wie Fliegen umschwärmen. Die Regisseurin unterlässt aber jeden szenischen Anstoß dazu. Sie setzt auf heiteres, temporeiches Spiel mit lustig-klamaukigen Einfällen, die den Lacherfolg garantieren. Über das karikierende Spiel der drei Damen Stamatia Gerothanasi, Sophia Maeno und Itziar Lesaka kann man sich köstlich amüsieren, und der Schauwert der Ballett-Choreografien erhöht den Reiz des 3. Aktes im Pariser Maxim beträchtlich. Sonst ist immer nur auf der Bühne, wer was zu sagen oder zu singen hat. Interessantere Mehrschichtigkeit in der Szene fehlt. Musikalisch ist die Aufführung hervorragend, und das durchweg mit eigenem Ensemble. Vom schmissigen Beginn an musiziert die Mecklenburgische Staatskapelle unter der Leitung des jungen Kapellmeisters Gregor Rot klangvoll und präzise. Ob zärtlicher Walzer, Lied oder Tanz, Gregor Rot führt elegant durch jeden Stil. Nur im Verhältnis zur Bühne tut sich die Kapelle meist zu sehr hervor.

Die Hanna Glawari wird mit Petra Nadvornik nicht nur eine millionenschwere, sondern auch sängerisch brillante Partie. Die erfahrene Sopranistin beherrscht mit jedem Auftritt die Bühne. Klug steuert sie ihre Stimme gegen die Macht des Orchesterklangs und findet dabei auch Raum für sanfte, zarte Töne. Markus Vollberg ist ein vehement agierender Danilo, der Hanna und das Publikum mit samtigem Bariton gewinnt. Christian Hees gibt dem Baron Zeta die für manchen Bühnengag nötige Dümmlichkeit. Ein schönes Operettenpaar sind Katrin Hübner mit treffsicherem Sopran und deren Verehrer Raphael Pauß mit tenoralem Schmelz in der Stimme. Schließlich der Opernchor, den Ulrich Barthel großartig auf seine Aufgaben vorbereitet hat. Am Ende bleiben Glawaris Millionen in Pontevedro, wie unsere Milliarden hoffentlich mit Griechenland in der Europäischen Union, dazu tun ja alle ihr Bestes.

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erstellt am 25.Jan.2016 | 12:00 Uhr

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