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Kultur MV

07. Dezember 2016 | 09:35 Uhr

Kultur : Herzogskunst für das Volk

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach 17 Jahren Verhandlungen mit Donata zu Mecklenburg-von Solodkoff hat das Land 252 Kunstwerke gekauft

Noch bevor die Tinte unter dem Vertrag trocken war, hat Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gestern versprochen, der Öffentlichkeit zu zeigen, was er gerade für 9,5 Millionen Euro gekauft hatte. Ab Dezember soll das Staatliche Museum Schwerin eine Auswahl der herzoglichen Kunstsammlung präsentieren, über die das Land 17 Jahre lang mit den Nachkommen der einstigen Landesfürsten verhandelt hat.
„Ein großer Traum, der so oft zu platzen drohte, geht in Erfüllung“, bekannte Herzogin Donata zu Mecklenburg-von Solodkoff, Enkelin von Friedrich Franz IV., dem letzten regierenden Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Es sei immer ihr Wunsch gewesen, die Sammlung in Mecklenburg zu belassen und öffentlich auszustellen. Das sei durch einen „guten Kompromiss“ möglich geworden, so Brodkorb.

252 Kunstwerke hat das Land gekauft, sechs behält es als Dauerleihgabe mit Vorkaufsrecht und nur zwei Bilder nimmt die Familie zu Mecklenburg mit nach Hause. Zur Sammlung gehören zahlreiche Portraits der Fürstenfamilie aus dem 18. Jahrhundert, gemalt vom Hofmaler Georg David Matthieu. Auch Kommoden mit Marmorplatte oder mit Furnier, Eckschränkchen, Ohrensessel, Stühle, Standuhren und Büsten aus dem berühmten Ludwigsluster Pappmaché finden sich auf der Ankaufsliste. Kerzenständer, Kandelaber, Faltfächer und drei Zierdolche wechseln ebenfalls den Besitzer. Und eine Querflöte. Die Sammlung soll ab 2016 im Ostflügel des Ludwigsluster Schlosses das künstlerische und politische Lebensumfeld der Herzöge präsentieren.

Vor drei Jahren drohten die Verhandlungen zu scheitern. Ein Teil des bis dahin ausgehandelten Kaufpreises von 7,9 Millionen Euro sollte mit einem 300 Hektar Wald beglichen werden. Das erschien Teilen der SPD und der Linkspartei vor der Landtagswahl politisch nicht opportun zu sein. Der politische Wirbel um die angeblichen „Ölschinken“ machte einen Neubeginn der Verhandlungen notwendig, die nach der Wahl zunächst nicht in Gang kommen wollten.

Die „Sammlung Christian Ludwig“, die in „Sammlung Herzogliches Haus Mecklenburg-Schwerin“ umbenannt werden soll, besteht vor allem aus Gegenständen, mit denen Friedrich Franz IV. seit 1920 das Schloss in Ludwigslust einrichtete; meist Dinge aus den anderen Schlössern, die die Familie nach ihrer Entmachtung 1918 dem Staat überlassen musste. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sammlung beschlagnahmt und 1997 wieder der Familie zu Mecklenburg zugesprochen. 260 von insgesamt 412 Kunstwerken lieh sie das Land bis Ende diesen Jahre. 152 Kunstwerke verkaufte sie auf dem internationalen Markt.

Ob mit dem Vertrag alle Ansprüche der Familie gegenüber dem Land endgültig vom Tisch sind, wollte Donata zu Mecklenburg gestern gegenüber unserer Redaktion nicht beantworten. Offenbar hält sie sich alle Möglichkeiten offen, falls noch weitere Kostbarkeiten aus dem früheren herzoglichen Besitz in Archiven, Depots oder Bibliotheken auftauchen.

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