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Kultur MV

27. August 2016 | 08:33 Uhr

Debatte : Der Tod des Theaters Neustrelitz...

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Enttäuschung über Theater-Gutachten von Kultusminister Brodkorb

Drastisch reagierte gestern der Interimsintendant der Theaters Neustrelitz/Neubrandenburg, Joachim Kümmritz, auf die Reformvorschläge zur Fusion der Theater im Osten des Landes. „Das ist der Tod der Theater- und Orchester GmbH“, lautet sein kurzes Fazit des Diskussionspapiers von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Der will ein Staatstheater Vorpommern mit vier Spielstätten in Neubrandenburg (Orchester), Neustrelitz (Operette/Tanztheater), Stralsund (Oper und Greifswald (Schauspiel/Ballett) bilden.

Kümmritz’ Befürchtung: Während alle anderen Häuser weitgehend weiterspielen könnten, werde Neustrelitz, beraubt um Schauspiel und Oper, „untergehen“. Die von Brodkorb vorgeschlagene Kompensation durch einen gemeinsamen Fundus und ein große Werkstatt für das Bühnenbild durch Landesinvestitionen in Neustrelitz bezeichnete der Intendant, der seit über 20 Jahren Generalintendant in Schwerin ist, als nicht umsetzbar.

Ein ähnliches Resümee zieht auch der Landrat des Kreises Mecklenburgische Seenplatte, Heiko Kärger (CDU): „Die Einschnitte für Neustrelitz sind stärker als wir uns vorgestellt hatten. Die Zukunft der Theaterlandschaft ist nicht nur eine politische Entscheidung, sondern betrifft die gesamte Region.“ Kärger verweist auf die 100 Arbeitsplätze, die durch die Brodkorbsche Reform verloren gingen. Der Landrat will die Debatte im neuen Kreistag, der sich am 3. Juli konstituiert, führen.

Die Münchner Beratungsgesellschaft Metrum hatte drohende Defizite bis 2020 von 5,8 Millionen Euro prognostiziert, wenn die Theater in Vorpommern so weiterwirtschaften wie bisher. Insbesondere das Haus in Neustrelitz, für das Landkreis und Stadt nur knapp über eine Million Euro zuschießen, ist mit seinen 135 Mitarbeitern äußerst defizitär. Zum Vergleich: Die Städte Stralsund und Greifswald fördern ihre Theater bei vergleichbaren Stellenzahlen mit je knapp vier Millionen Euro. Schon jetzt ist absehbar, dass Neustrelitz noch im Sommer neue Landeszuschüsse von einer halben Million Euro benötigen wird.

CDU-Fraktionschef Vincent Kokert, als Neustrelitzzer an der Seite des Theaters, spricht vom Brodkorb-Papier als „Anfang einer Diskussion“. Auch er sieht einen „enormen Kostendruck“. Jetzt seien die Kommunen mit ihren Vorschlägen gefragt. Kokert ist überzeugt, dass der jetzige Vorschlag noch Veränderungen erfährt.


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erstellt am 19.Jun.2014 | 07:30 Uhr

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