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Kultur MV

26. August 2016 | 05:17 Uhr

Uni Rostock : Auf der Suche nach Raubgut

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rostocker Universitätsbibliothek wird systematisch nach Büchern aus der Nazizeit mit zweifelhafter Herkunft durchforscht

Die Bestände der Universitätsbibliothek Rostock werden systematisch nach sogenanntem NS-Raubgut durchforstet. Zwei Forscherinnen sollen jene Bücher identifizieren, die während der NS-Zeit auf zweifelhaften Wegen ihren Weg in die Regale der Bibliothek fanden. Gefördert wird das Projekt von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin.

Eine erste Sichtung der Buchgeschenke aus den Jahren 1933 bis 1949 habe bereits 2000 verdächtige Fälle ergeben, sagte Projektmitarbeiterin Antje Strahl gegenüber unserer Redaktion. Möglicherweise waren die Bücher bei verfolgten Juden oder politischen Gegnern beschlagnahmt worden, stammen aus der Sammlung aufgelöster Freimaurerlogen oder den Bibliotheken der von den Nazis verbotenen Parteien. Manche Bücher wurden auch aus öffentlichen Bibliotheken aussortiert und der Uni-Bibliothek zur Verfügung gestellt, weil sie nicht in die NS-Ideologie passten.

Antje Strahl und ihre Kollegin Lisa Adam werden unter anderem anhand alter Akten und anhand von Exlibris, Stempeln oder Widmungen in den Büchern versuchen, Vorbesitzer herauszufinden und gegebenenfalls deren Erben kontaktieren. Den Weg der Bücher zurückzuverfolgen wird nicht einfach sein, so Antje Strahl. In der NS-Zeit wurden Bücher im ganzen „Reich“ zwischen den Bibliotheken getauscht, um Lücken in den Beständen zu füllen. Bereits Ende der 1990er-Jahre, so Bibliotheksdirektor Robert Zepf, fielen bei der Erschließung jiddischer Drucke mehrere Titel auf, die Anfang der 1940er-Jahre in die Bibliothek aufgenommen worden waren. Ungewöhnliche Lieferantenvermerke in den Zugangsbüchern legten den Verdacht auf NS-Raubgut nahe. Inzwischen hat die Bibliothek angefangen, eine Datenbank mit den Verdachtsfällen zu füttern.

Die Überprüfung an der Rostocker Uni-Bibliothek ist in MV die zweite große systematische Suche nach Kulturgütern, die zu NS-Zeiten geraubt wurden. Eine umfangreiche Studie ergab 2011, dass das Staatliche Museum Schwerin für mehr als 230 Gemälde keine Belege für einen redlichen Erwerb beibringen kann. Dazu gehört auch das Bild „Winterlandschaft“ von Caspar David Friedrich, das 1941 auf ungeklärtem Wege ins Museum kam.

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