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Mecklenburg-Vorpommern

25. März 2017 | 03:01 Uhr

Kraak : Kommt der Riesenstall für tausende Rinder?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Behörde genehmigt Anlagen für 3400 Tiere in Kraak. Teilinvestition beginnt in diesem Jahr

Platz für Tausende Tiere: In Westmecklenburg will Landwirt Christian Karp seine Stallanlagen deutlich erweitern und eine der größten Rinderanlagen Mecklenburg-Vorpommerns bauen. Auf dem Hof Karp in Kraak im Kreis Ludwigslust-Parchim südlich von Schwerin sollen neue Ställe und Anlagen für insgesamt knapp 3400 Kühe, Jungrinder und Kälber entstehen – mehr als doppelt so viele wie bisher. Neue Ställe, Strohberge- und Maschinenhalle, Gülle- und Gärrestebehälter: Ein entsprechendes Projekt hat das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg Anfang März genehmigt, teilte die Behörde mit. Danach sollen auch die Güllelager deutlich erweitert werden.

Noch lässt der Riesenstall auf sich warten: Die endgültige Investitionsentscheidung für das sechs Millionen Euro teure Projekt sei noch nicht gefallen, erklärte Investor Christian Karp. Der Betrieb habe durch die Krise auf dem Milchmarkt mit niedrigen Milchpreisen schwierige Jahre hinter sich. Zunächst müsse abgewartet werden, wie sich das Marktumfeld weiter entwickeln werde. Allerdings: Noch 2017 solle der Bau eines Kälberstalls für 500 Tiere beginnen, der eine alte Anlage ersetzen solle.

Der Kraaker Riesen-Stall bleibt umstritten: Bei einer Vorprüfung des Projekts hatte das Landwirtschaftsamt festgestellt, „dass von dem Vorhaben keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten sind“. Auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei daher verzichtet worden, so das Amt. Die Entscheidung war bei Umweltschützern auf Unverständnis gestoßen: Angesichts der Größe des Stalls sei es nicht mehr gerechtfertigt, derartige Projekte von Umweltverträglichkeitsprüfungen zu befreien, hatte Corinna Cwielag, Landeschefin des Bundes für Umwelt und Natur, seinerzeit kritisiert.

Mehr als 3000 Tiere an einem Standort: Damit liegt Bauer Karp deutlich über der in der Debatte um die Neuausrichtung der Landwirtschaft in MV von Agrarminister Till Backhaus (SPD) vor Jahren ins Gespräch gebrachten Obergrenze von 800 Rindern, von der er später allerdings nichts mehr wissen wollte. Karp sieht dennoch keine Umweltauswirkungen. Die anfallende Gülle werde auf eigenen Flächen ausgebracht, meinte er: „Der Boden braucht Nährstoffe.“ Mancherorts auch nicht: In Nordwestmecklenburg, aber auch auf den leichten Böden im Kreis Ludwigslust-Parchim gebe es Tendenzen steigender Nährstoffeinträge, hatte Backhaus 2016 festgestellt.

Vor knapp eineinhalb Jahren war ein ähnliches Großprojekt am Widerstand in der Region gescheitert. Die niederländischen Kapitalgeber um die Unternehmerfamilie Pon hatten 2015 den Bau eines Kuhstalls mit mehr als 3000 Tieren in Keez nahe Brüel aufgegeben. Dort sollte für 15 Millionen Euro mitten im Naturpark Sternberger Seenland ein Riesenstall gebaut werden.  

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erstellt am 16.Mär.2017 | 06:00 Uhr

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