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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 18:37 Uhr

Waren an der Müritz : Kein normaler Unfall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Autofahrt unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol. Fußgänger getötet. Haft für 28-Jährigen

Nach dem Tod eines Fußgängers in Waren an der Müritz hat das Amtsgericht Waren einen angeklagten Autofahrer zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 28-Jährige sei der fahrlässigen Tötung schuldig, sagte gestern Richterin Alexandra Sprigode-Schwencke. Dies sei kein Unfall, wie er immer passieren könne: „Er hatte eine andere Qualität.“

Der Getötete war 67 Jahre alt und erst einen Monat zuvor aus der Nähe von Stuttgart (Baden-Württemberg) nach Waren gezogen. Zwei Söhne traten als Nebenkläger vor Gericht auf.

Der Angeklagte hatte gestanden, trotz Führerscheinentzugs an einem Samstagabend im April unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol Auto gefahren zu sein. Ein Sachverständiger schätzte, dass der Mann knapp zwei Promille bei dem Unfall hatte. Er könne sich nur noch an wenig erinnern, sagte der Angeklagte.

Mit Freundin und Kind war er vorher bei einer Grillfeier und wollte an dem Abend nur noch einmal mit dem Hund rausgehen. Seinen Führerschein hatte er wegen einer Drogenfahrt Mitte 2015 abgeben müssen. Der ehemalige Hauptschüler erklärte, er sei trotzdem weiter Auto gefahren, sonst hätte er die Ausbildung zum Metallbeschichter nicht beenden können. Die Schule war in Fürstenwalde bei Berlin.

 

Das Auto geriet kurz nach dem Losfahren in einer Kurve mit Tempo 90 auf einen belebten Rad- und Fußweg an der Müritz – dort wurde der 67-Jährige tödlich verletzt. Der Fahrer demolierte mit seinem Wagen drei Autos und prallte gegen mehrere Bäume.  Ein Urlauber aus Berlin schilderte als Zeuge, dass auch noch andere Menschen, darunter seine beiden Kinder, in Gefahr gewesen seien. „Sie haben leichtfertig, sorglos und leichtsinnig gehandelt“, sagte die Richterin. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der  Nebenkläger und ging noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Die Anklagebehörde hatte zwei Jahre Haft gefordert.

Verteidiger Sönke Brandt wollte für seinen Mandanten, der sich bei den Söhnen des Opfers entschuldigte, eine Strafe auf Bewährung. Sein Mandant habe eine „positive Sozialprognose“. So habe er Freundin und ein Kind, ein zweites Kind sei unterwegs. Er habe sich in psychiatrische Behandlung begeben, aufgehört, Betäubungsmittel zu nehmen, die Ausbildung beendet und nun eine feste Arbeit.

Dieser Argumentation folgte die Richterin aber nicht. „Wir haben es hier mit einem ganzen Bündel an Fahrfehlern zu tun“, sagte Sprigode-Schwencke.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 20:55 Uhr

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