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Mecklenburg-Vorpommern

08. Dezember 2016 | 19:12 Uhr

Neuhof bei Neustadt-Glewe : Karpfenernte in der Lewitz

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit riesigen Netzen bergen derzeit die Fischer tonnenweise Spiegelkarpfen aus einer der größten Teichanlagen Norddeutschlands

In der Lewitz hat die Karpfenernte begonnen. Die mit 750 Hektar größte Teichanlage Norddeutschlands soll bis Mitte November geleert werden, sagt Hermann Stahl, Geschäftsführer der Lewitz Fisch GmbH Neuhof bei Neustadt-Glewe. „Vor dem Frost müssen alle Karpfen raus.“

Dafür würden die 32 Teiche von jeweils 11 bis 88 Hektar Fläche nach und nach trockengelegt. Mit dem Ablaufen des Wassers können rund 300 Tonnen Karpfen in großen Netzen eingesammelt und schließlich an Land gehievt werden.

Die Fische fliegen hoch. Von den Spiegelkarpfen, die kaum Schuppen haben, sortieren die Fischer die jungen heraus und werfen sie in hohem Bogen in extra Wannen. Die Kleinen kommen später zum Überwintern in tiefere Teiche und dürfen nächstes Jahr weiterwachsen.

Auch die Alten sollen überleben – acht Marmorkarpfen. Die Planktonfresser wurden vor 30 Jahren eingesetzt, fanden aber wegen ihrer vielen Gräten nie Abnehmer. Die 30-Pfünder erhalten in der Lewitz nun ihr Gnadenbrot. „Ein Langzeittest, weiß ja niemand, wie alt die noch werden“, sagt Stahl.

So beträgt die eigentliche Speisefisch-Ausbeute auch diese Saison wieder rund 150 Tonnen. Nur die vier- bis sechsjährigen Karpfen werden bis Ostern in Hälterbecken gelagert und ausschließlich lebend an Fischhändler, Köche oder Privatleute in Mecklenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein verkauft. Jeder vierte Lewitzkarpfen von zwei bis drei Kilogramm Gewicht landet traditionell zu Weihnachten oder Silvester auf dem Tisch.

Die Karpfenzucht in der Lewitz hat historische Wurzeln. Gegründet wurde die Anlage, die mit dem Wasser von Elde und Brenzer Kanal gespeist wird, im Jahr 1897 von Mecklenburgs Herzögen. Die anfangs 20 Hektar Fischgewässer wurden in den 1950er-Jahren ausgebaut und in den 80ern rekonstruiert und vertieft, um angesichts der eingeschränkten Hochseefischerei der DDR frischen Fisch an den Handel liefern zu können. Hermann Stahl arbeitet seit 1975 in der Lewitz und zieht dort Spiegelkarpfen groß.

Zum Abfischen eines Teiches braucht es mindestens sieben Männer, die das riesige Netz durchs flache Wasser ziehen. Meister Holger Mursch steht bis zur Hüfte im Karpfenteich und zählt prächtige Flossentiere in eine trichterförmige Waage. „Die sehen richtig schön aus“, meint er. Das A und O seien Farbe und Form. „Dunkelblauer fleischiger Rücken, rötliche Flossen und ein goldgelber, bronzener Bauch.“ Die Vorlieben der Kunden varriieren bei den Größen, erklärt Fischerei-Ingenieur Stahl. Hamburger wollten kleinere, Mecklenburger eher richtig dicke Karpfen mit gut sichtbaren Gräten auf dem Teller.

Laut Agrarministerium bewirtschaften in Mecklenburg-Vorpommern fünf Betriebe zusammen knapp 1000 Hektar künstlich angelegte Karpfengewässer und ernten etwa 250 bis 300 Tonnen Speisefisch pro Jahr. Mehr Teichflächen gibt es dem Statistischen Bundesamt zufolge in Bayern, Sachsen und Brandenburg. 2015 wurden in Deutschland bei rückläufiger Fischerzeugung rund 4900 Tonnen Karpfen produziert, das waren 370 Tonnen weniger als 2014.

 

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