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Linke in MV : Kandidatensuche mit Ultimatum

vom
Aus der Onlineredaktion

Dietmar Bartsch führt Landesliste der Linkspartei für Bundestagswahl. Schon bei Platz 2 Gerangel um begehrte Mandate

Der Ausschuss der Linkspartei für die Aufstellung der Landesliste zur Bundestagswahl hatte es für die Vertreterversammlung am Sonnabend spannend gemacht: Mit nur einer Stimme Mehrheit gelang es der Landesvorsitzenden der Linken, Heidrun Bluhm, sich vor der ebenfalls langjährigen Bundestagsabgeordneten Kerstin Kassner von der Insel Rügen zu platzieren - und das auch erst im zweiten Wahlgang. Die Crux: Nach aktuellen Wahlumfragen könnte die Linke aus MV künftig nur noch mit zwei statt wie bislang mit drei Abgeordneten im Bundestag vertreten sein. Auf Platz 1 galt Fraktionschef Dietmar Bartsch als gesetzt, so wie bei der CDU Angela Merkel oder bei der SPD Manuela Schwesig.

Aber schon bei Platz 2 begann das Gerangel. Kerstin Kassner erklärte vor der Wahl gegenüber unserer Zeitung, gegen Heidrun Bluhm anzutreten. Das Problem: Würde der Parteitag die Landesvorsitzende auf den schlechteren Listenplatz setzen? Ein schlechtes Signal.

Viele Redner beschworen die Geschlossenheit der Vertreterversammlung. Hier Bluhm als Landesvorsitzende und anerkannte Bauexpertin der Partei, die ein Konzept zur Wohnungsgemeinnützigkeit entwickelt hat. Dort Kassner, die ein Plädoyer für Vorpommern hielt, aus dem sich die Linke nicht zurückziehen dürfe. Und die damit warb, ihren Gegnern im Wahlkreis - Angela Merkel und AfD-Chef Leif-Erik Holm - eine starke linke Kraft entgegenzusetzen.

Schließlich stellte Bluhm den Delegierten ein Ultimatum. Auf die Frage, ob sie auch für den Platz 3 kandidieren würde, sagte sie: „Ich kandidiere nur auf dem Platz, auf den ich nominiert bin.“ Also Top oder Hop.

Dietmar Bartsch hielt unangefochten seine Nominierungsrede. Zwar konnte die angekündigte Sahra Wagenknecht aus Krankheitsgründen nicht kommen und ihn unterstützen. Aber Bartsch warb engagiert mit einer friedens- und europapolitischen Rede für sich – wie auch schon im großen Interview in unserer Zeitung. Und er wiederholte das Angebot an den frischgewählten SPD-Bundesvorsitzenden Martin Schulz, im Bundestag schon jetzt bei einzelnen Anträgen, wie zur Begrenzung der Managergehälter, gemeinsam mit Links und Grün gegen die CDU zu stimmen. Er forderte von Schulz, im Wahlkampf zu erklären, dass er nach der Wahl nicht in ein Kabinett Merkel gehen werde. „Wir brauchen einen Kurswechsel, damit der soziale Zusammenhalt in der Gesellschaft wieder hergestellt wird.“ Als Wahlziel visiere die Linke laut Bartsch ein zweistelliges Stimmergebnis an. Die 117 Delegierten belohnten ihn mit 93,2 Prozent Zustimmung, etwas mehr als bei der Nominierung 2013.

Der Wettlauf um Platz 2 ging indessen knapp aus. 56,9 Prozent für Bluhm. Kassner kam auf Platz 3. Ob die Linke in MV nach dem 24. September nur noch zwei oder wieder drei Abgeordnete im Bundestag hat, das wird erst die Wahl zeigen.

Kommentar "Es wird eng" von Max-Stefan Koslik

Seit 2013 bildet die Linke mit 64 Abgeordneten  die  drittstärkste Fraktion im Bundestag. Drei Abgeordnete davon kommen aus MV, wo die Linkspartei bei Bundestagswahlen regelmäßig deutlich besser abschneidet als bei Landtagswahlen. Insofern sind die Chancen  für den 24. September nicht schlecht, wieder mit drei Abgeordneten in Berlin vertreten zu sein.

Aber diese Wahlen haben es in sich. Nicht nur, dass am rechten Rand mit der AfD eine Partei hinzugekommen ist, die hier in MV schon bei der Landtagswahl das Protestwählerpotential auf sich zog, das früher links gewählt hat. Nein, auch die SPD, bei der mit Martin Schulz das soziale Gewissen wieder erwachte, wird manchen Wähler abziehen. Dass selbst Spitzengenossen der Linken ein Wahldebakel fürchten, zeigte das Gerangel um Platz 2.

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erstellt am 19.Mär.2017 | 19:00 Uhr

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