zur Navigation springen

IHK Schwerin : Kammerreform ins Stocken geraten

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach IHK-Erdbeben in Hamburg mahnen Kritiker Debatte um Erneuerung in Mecklenburg-Vorpommern an. Nach Machtwechsel in Schwerin Versprechen nicht eingehalten

Deutschlands Kammerwelt steht Kopf: Das kammerpolitische Erdbeben bei den Neuwahlen der Industrie- und Handelskammern in Hamburg mit einem Erdrutschsieg für die Reformer motiviert Kritiker zur Neuauflage einer Reformdebatte auch in MV.

Ein deutlicher Weckruf, bewertet der Bundesverband für freie Kammern (BFFK) das Ergebnis: „Wer jetzt meint, das bisherige Weiter-So praktizieren zu können, der verabschiedet sich selbst aus dem Gestaltungsprozess der notwendigen Veränderungen“, erklärte BffK-Chef Kai Boeddinghaus.

In Hamburg hatten Mitte Februar Kammerrebellen vom Bündnis „Die Kammer sind WIR“ einen Sieg in zuvor nicht möglich gehaltener Höhe errungen: Sie besetzten 55 der 58 direkt gewählten Sitze im Plenum der Kammer. Die Gruppe war u. a. mit der Forderung nach Abschaffung der Kammer-Pflichtbeiträge in den Wahlkampf gezogen.

Neustart in der Kammerwelt: Die IHK Schwerin wehrt ab. Zwar kam das Präsidium nicht umhin, die Ergebnisse der Hamburg-Wahl zu analysieren. Aber: „Das ist kein Thema in Schwerin“, meint Kammer-Präsident Hans Thon.

Sollte es aber, raten Kritiker. Denn die Kammerrevolution lässt in Westmecklenburg Erinnerungen aufkommen. 2008 hatten auch in Schwerin Reformer mit dem bisherigen Kammersystem gebrochen und mit Forderungen nach grundlegenden Veränderungen in der IHK Schwerin überraschend die Stimmenmehrheit erhalten.

Mehr Transparenz, ein vertrauensvollerer Umgang mit den Kammerbeschäftigten, niedrigere Beiträge und vor allem das Ende des 14 Millionen Euro teuren Kammerneubaus: Für Kritiker ist von den einstigen Zielen nicht viel übriggeblieben. Die Schweriner Reformversprechen seien nicht eingehalten worden, kritisiert BffK-Chef Boeddinghaus. So lasse die Veröffentlichung der Kammer-Bilanzen zu wünschen übrig. Vor allem aber: Nur wenige Wochen nach dem Reformersieg in Schwerin sei die Kammer doch ins neue, teure IHK-Gebäude umgezogen, kritisierte Boeddinghaus: „Anders als in Hamburg hat es in Schwerin nie einen Gestaltungswillen für eine andere Kammer gegeben.“

Das kann Kammer-Präsident Thon nicht gelten lassen: Acht Jahre nach dem Machtwechsel sei „die Kammer Schwerin eine andere als vorher. Die Gräben zwischen den Mitgliedern sind zugeschüttet worden“, meint der Kammerchef. Ehren- und Hauptamt gingen anders miteinander um: „Wir machen eine gute Arbeit.“ In den vergangenen Jahren seien in mehreren Schritten die Kammerbeiträge deutlich gesenkt worden. Jährlich würden die Unternehmen um bis zu 700 000 Euro entlastet, teilte Kammer-Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach mit. Und auch die anfänglich geführte Fusionsdebatte hat Schwerin zu den Akten gelegt: Eine Zusammenlegung mit Rostock – „das macht keinen Sinn“, wehrt Thon ab. Es gebe keine Synergieeffekte. Thon: „Nur größer sein heißt nicht, dass es besser geht.“ 

zur Startseite

von
erstellt am 21.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen