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Mecklenburg-Vorpommern

25. März 2017 | 01:02 Uhr

Gesundheitsland MV : Kahlschlag bei Kliniken?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gröhes Pläne stellen kleine Häuser auf Prüfstand / Transplantationsmedizin in Rostocks Uniklinik bedroht

Geht es nach Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), steht der Krankenhauslandschaft bundesweit, vor allem aber auch in Mecklenburg-Vorpommern, eine Rosskur bevor. Mit seiner Krankenhausreform will er Qualität als neuen Faktor in die Krankenhausplanung einführen, einhergehend mit einer Mindestmengenregelung: Wer einen bestimmten Eingriff nicht soundso häufig durchführt, soll dafür auch keine Vergütung mehr erhalten. Das wird vor allem für kleine Krankenhäuser zum Problem – und von denen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern viele: Von den 37 Kliniken im Land haben 25 weniger als 200 Betten, neun sogar weniger als 100.

Doch auch die vier Maximalversorger müssen unter Umständen Abstriche machen: So könnte der Transplantationsmedizin an der Rostocker Universitätsklinik, der einzigen derartigen Abteilung im Land, das Aus drohen, weil sie nach Daten des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung weder bei Lebern noch bei Nieren die geforderten Mindestmengen erreicht.

Auch die AOK Nordost vertritt die Position, dass Qualität bindend als zentraler Bestandteil in die Krankenhausplanung der Länder integriert werden muss. Flächenländer wie MV, aber auch Brandenburg, zwinge der Strukturwandel vor allem zum Umdenken. Es müsse eine „neue Form der Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land “ geben, so der Geschäftsführer der AOK-Landesdirektion Frank Ahrend, auf einem Forum seiner Kasse. Mit einem Modell der guten und schnellen Notfallversorgung vor Ort durch den Rettungsdienst, einer Stabilisierung im Landkrankenhaus und einer konzentrierten Hochleistungsmedizin an wenigen Standorten ließe sich die stationäre Gesundheitsversorgung auch weiter in einer hohen Qualität sichern.

Dr. Anke-Britt Möhr, Geschäftsführerin Stationäre Versorgung bei der AOK Nordost, ergänzt: „Wir sind keinesfalls dafür, Krankenhausstandorte zu schließen. In Zukunft wird es aber in mehreren, insbesondere ländlich geprägten Regionen mit starkem Bevölkerungsschwund nicht mehr möglich sein, Krankenhäuser in ihrer bestehenden Form mit sämtlichen Fachabteilungen und einer hohen Qualität zu erhalten.“ Es helfe den Menschen nicht, wenn weiter wie bisher an allen Standorten alles angeboten werde, die dort tätigen Ärzte aber durch die wenigen Fälle kaum noch Erfahrungen in der Behandlung haben.

Allerdings setzen solche Pläne auch voraus, dass Raumplaner mit einbezogen und beispielsweise Konzepte für die Beförderung älterer, nicht mehr mobiler Patienten zum Arzt entwickelt werden.

Auch die Krankenhausgesellschaft (KGMV) und das Sozialministerium des Landes teilen diese Auffassung. In absehbarer Zeit würde es „mit Blick auf die kleinen Krankenhäuser auf dem Lande sicher die eine oder andere Fachabteilung nicht mehr geben“, so Staatssekretär Nikolaus Voss. Es werde aber eine sektorenübergreifende Versorgung geben, wo zum Beispiel auf dem Krankenhauskampus auch niedergelassene Ärzte Patienten behandeln. „Krankenhäuser müssen sich als Versorgungsanker etablieren“, gibt Voss als Parole für die Zukunft aus.

Dass daran kein Weg vorbeiführt, weiß auch KGMV-Geschäftsführer Wolfgang Gagzow. Doch noch fehlten rechtliche Rahmenbedingungen, die zum Beispiel auch zuließen, dass Krankenhausärzte an der ambulanten Versorgung teilnehmen. Gagzow verwies aber darauf, dass die Zahl der Krankenhäuser im Land seit der Wende bereits von 55 auf 37 geschrumpft ist. Wenn der Betrieb ökonomisch nicht mehr zumutbar sei, sei aber auch die Aufgabe weiterer Standorte nicht auszuschließen.

Der Berliner Gesundheitswissenschaftler Prof. Thomas Mansky machte noch weitere Argumente für eine Strukturanpassung im Krankenhausbereich geltend: Mit dem Rückgang der arbeitsfähigen Bevölkerung fehle zunehmend Personal in den Kliniken - und es fehlten (Krankenversicherungs-)Beitragszahler, die den Klinikbetrieb finanzierten. In Deutschland würde gegenwärtig die Medizin des 21. Jahrhunderts in den Strukturen der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gemacht. „Wir müssen uns aber fragen, was wir wollen“, so Mansky, „wollen wir künftig medizinische Leistungen finanzieren oder alte Krankenhäuser, die keiner mehr braucht?“


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erstellt am 29.Mai.2015 | 08:00 Uhr

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