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Mecklenburg-Vorpommern

07. Dezember 2016 | 13:29 Uhr

Hotel-Präsident in Warnemünde : Juwelen für die Zukunft schleifen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Bundespräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes macht sich für eine Politik der kleinen, aber erfolgreichen Schritte stark

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat mit Guido Zöllick einen neuen Präsidenten. Der 46-Jährige, der vom Kellner im Hotel Neptun in Warnemünde über gastronomische Karrierestufen wie Bankett- und Direktionsassistent, gastronomischer Leiter und Hoteldirektor in verschiedenen Häusern aufstieg, ist auch Präsident des Landesverbandes MV. Mit dem General Manager und Geschäftsführer des Neptun Hotels sprach Michael H. Max Ragwitz.

Glückwunsch zum neuen Amt, Herr Zöllick. Aber mal ehrlich: Sind Sie beruflich nicht ausgelastet?


Zöllick: Diese Frage habe ich erwartet. Sie können davon ausgehen, dass ich in jeder Beziehung gut ausgelastet bin. Aber Beruf und Ehrenamt profitieren wechselseitig voneinander. Und ich meine auch, Ehrenamt erfordert die enge Verbundenheit zur Praxis.

Meinen Sie, als Präsident des Bundesverbandes mehr bewegen zu können als nur als MV-Verbandspräsident?

Bestimmte Dinge, die auch unsere Branche tangieren, werden gesetzlich über den Bund geregelt, respektive beschlossen. Also kann man zu deren Optimierung und Lösung über das Bundesamt etwas „kräftiger“ befördern. Der Einfluss ist schon weitreichender.

Was reizt Sie daran, die Interessen der Hoteliers und Gastronomen unter einen Hut zu bringen?

Da ich meine Branche sozusagen von der Pike auf kenne und einen sehr guten Einblick habe, denke ich, dass ich Impulse geben kann, die Interessen der Branche zu vertreten und darauf hinzuwirken, dass wir alle an einem Strang ziehen.

In Bund und Land wird bzw. wurde gewählt. Was sind Ihre Kernforderungen an die Bundes- und Landesregierung?

Die Palette ist breit gefächert. Kernthemen sind das Arbeitszeit-Gesetz, das Problem der Mehrwertsteuer in der Gastronomie sowie die Ausbildung des Nachwuchses.


Stichwort Mehrwertsteuer, was wollen Sie erreichen?

Die Formel ist einfach: Gleiche Höhe für alle und damit Wettbewerbsfairness. Da ist die Zahl an sich eher eine Nebensache.

Woraus müssen Politik und Verband am meisten lernen?

Man muss offener und ehrlicher für das übergreifende Thema Dienstleistungen werden. Die Branche muss mehr Wertschätzung erfahren.

Nun gelten aber in der Politik offenbar andere Gesetze…

Richtig. Wünschenswert wäre, einen Weg von politisch motivierten Mehrheitsverhält-
nissen hin zu den besten Ergebnissen einzuschlagen.

In Ihrer Antrittsrede forderten Sie, in Ausbildungsqualität zu investieren. Worin bestehen die wichtigsten Hausaufgaben der Betriebe?

Wir müssen in den Betrieben die berufliche Ausbildung optimal strukturieren und feste Ansprechpartner bieten, die die fachlich-praktischen Inhalte planmäßig vermitteln. Nur so können wir die Juwelen für die Zukunft der Branche, im besten Sinne des Wortes, „schleifen“.

Wie beschreiben Sie Ihre Forderung nach dualer Ausbildung?

Man muss die Ausbildung in Schule und Praxis gleichwertig zu einem Studium begreifen. Die oft suggerierte Sucht nach Studium ist bei allem Verständnis für die Sache nicht das einzig Erstrebenswerte.

Worin sehen Sie die Ursachen für den Mangel an Fachkräften in Ihrer Branche?

Ich nenne als Stichpunkte den demografischen Wandel und das Negativbild im Bezug auf Arbeitszeit, Freizeit und Entlohnung.

Aber Sie haben auch Gegenargumente in positiver Hinsicht?

Selbstverständlich. Man kann in unserer Branche durchaus auch gutes Geld verdienen, schnell Karriere machen und seine Freizeit flexibel gestalten.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, staatliche Reglementierungen und damit Belastungen Ihrer Branche zu überwinden?

Ich denke, es wird auch weiterhin ein „zäher“ Prozess und ein steiniger Weg sein. Ich sehe dem aber auch mit Optimismus entgegen. Kleine Punktsiege führen Schritt für Schritt auch zum Ziel.

Stichwort Integration von Flüchtlingen: Ist das für Ihre Branche mehr als ein Werbe-effekt?

Das Thema an sich ist alles andere und viel mehr als PR. Wir sind sowieso eine international aufgestellte Branche, also die Migrationsbranche schlechthin. Das hilft in Sachen dringend benötigter Arbeitskräfte ebenso wie für die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft.

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