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Mecklenburg-Vorpommern

27. September 2016 | 17:32 Uhr

Südstadt Klinikum Rostock : Justus ist ein Fall für das Schlaflabor

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der 12-Jährige aus Güstrow ist ständig müde und hibbelig. Im Rostocker Südstadt Klinikum wird überprüft, woran es liegt

Tagsüber ist Justus (12) oft blass, müde und hibbelig. Er hat einen leichten Schlaf, wacht sehr schnell auf. Die Lehrer haben seine Mutter, Annette Kellner, auch schon darauf aufmerksam gemacht, dass ihr Junge oftmals unkonzentriert ist. Woran das liegen könnte? Darüber hat sich seine Mutter viele Gedanken gemacht. Schlafstörungen oder Unregelmäßigkeiten der Atmung in der Nacht hält sie als Ursache für sehr wahrscheinlich. Damit Justus ausreichend Schlaf bekommt, schickt Kellner ihren Sohn jeden Abend etwas früher ins Bett. „Um 20 Uhr geht er zusammen mit seinen zwei jüngeren Geschwistern schlafen“, sagt sie. Geholfen hat es bisher jedoch nichts. Deswegen soll nun im Rostocker Kinderschlaflabor am Südstadt Klinikum Klarheit geschaffen werden.

Angeschlossen an die verschiedensten elektronischen Messgeräte, wird er dort eine ganze Nacht lang überwacht. 14 Elektroden im Gesicht und auf seinem Kopf sollen seine Hirnströme während des Schlafes messen. Auch die Atmung, Körperbewegung und Herzaktivitäten werden genauestens überwacht und dokumentiert. „Damit können wir ermitteln, ob eine Störung vorliegt und worin die Ursache liegt“, sagt Oberarzt Dr. Frank Kirchhoff, Leiter des Kinderschlaflabors.

Erst der Besuch beim Kieferorthopäden brachte Annette Kellner darauf, den Schlaf ihres Sohnes zu untersuchen. Justus trägt eine Zahnspange und in der Nacht verschiebt sich sein Unterkiefer ein wenig, mal nach vorn und mal nach hinten. Um das zu korrigieren, hat sein Kieferorthopäde ein Röntgenbild von dieser Partie angefertigt. „Dabei bemerkte er, dass die Nase verengt ist“, sagt die Güstrowerin. Sowohl die Kieferfehlstellung, als auch die Nasenverengung könnten schließlich die Ursache für seine Blässe und seine Müdigkeit sein. „Wir sind danach zur Kinderärztin und die hat uns gleich ins Schlaflabor nach Rostock überwiesen“, sagt Kellner. Sie freut sich sehr, dass die Ärzte der Sache nachgehen und Justus hoffentlich bald besser schlafen kann.

Im Rostocker Klinikum angekommen, nahm sich Oberarzt Kirchhoff des 12-jährigen Patienten sofort an. Er erklärte Justus in einem Vorgespräch die Abläufe des Schlaflabors und untersuchte den Jungen von Kopf bis Fuß. Einige Wochen später wurde es dann ernst.

„Zähne putzen nicht vergessen“, erinnerte Mutter Annette ihren Sohn an das abendliche Pflichtprogramm. Mit seinem Schlafanzug bekleidet und seinem Lieblings-Fantasybuch „Gargoyles“ in der Hand, lag er dann Punkt 20 Uhr im Bett des Schlaflabors. „Ich habe keine Angst“, sagt Justus. Er wusste, dass er weder mit einer schmerzhaften Spritze noch mit anderen unangenehmen Behandlungen zu rechnen hatte.

Während die Schwester alle Elektroden an seinem Kopf befestigte und den so genannten Leucht-Finger zum Pulsmessen an der Hand des kleinen Patienten befestigte, wurde Justus dann aber doch etwas mulmig zumute. „Ich fühle mich wie ein Roboter“, so der Fünftklässler. Es dauerte einige Zeit, bis alle Messgeräte am Körper des Jungen angebracht und zur Aufzeichnung bereit waren. So lange musste Justus stillhalten. Um in der ungewohnten Umgebung einschlafen zu können, hatte sich Justus etwas überlegt: „Ich versuche darüber nachzudenken, wie mein Tag war und werde dann hoffentlich müde.“

Mutter Annette nutzte die Möglichkeit, die Nacht bei ihrem Sohn zu bleiben. „Eigentlich könnte Justus schon allein hier bleiben, aber wenn ich ihn am nächsten Morgen um 7 Uhr abholen soll, lohnt sich die Rückfahrt nach Güstrow nicht“, sagt sie. Auf einem ausklappbaren Schrankbett konnte sie die Nacht direkt neben ihrem Sohn verbringen. „Ein bisschen ist Justus auch froh, dass ich ihn nicht allein lasse“, so Annette Kellner. Zugeben würde er das wahrscheinlich aber nicht. In der Zeit, in der Patient und Begleitung sich fertig für die Nacht machten, hatte Dr. Kirchhoff bereits im Nachbarzimmer alle Vorbereitungen am Computer getroffen. Er legte eine Patientendatei für Justus an, kontrollierte, dass alle medizinischen Messgeräte ihren Dienst taten und wünschte dem kleinen Patienten einen gute Nacht.

Angst hat Annette Kellner nicht, dass sich vielleicht doch etwas Ernsteres hinter Justus’ Schlafstörungen verbergen könnte. „Die Hauptsache ist, dass wir herausfinden, was es ist, und dass wir etwas dagegen tun können“, sagt sie. Die junge Mutter wünscht sich sehr, dass ihr Sohn einfach schnell von seinen Beschwerden befreit werden kann: „Ich hoffe, dass es sich leicht beheben lässt und Justus etwas ruhiger wird und nicht mehr so hibbelig ist.“ Trotzdem will sie seine mangelnde Konzentrationsfähigkeit in der Schule nicht ganz auf die Schlafstörungen schieben. Gute Noten schreiben sich nun mal nicht von allein.

Am nächsten Morgen wurde Justus um 7 Uhr von den Elektroden abgestöpselt und dann mussten Mutter und Sohn schnell sein. Die erste Schulstunde sollte Justus nicht verpassen. So ging es schnell ins Auto und ab nach Güstrow. Den Befund bekommt Familie Kellner bald zugeschickt.

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erstellt am 29.Jul.2014 | 12:00 Uhr

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