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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 19:39 Uhr

DDR-Kochbücher : Jägerschnitzel, Eintopf und „Kalter Hund“

vom
Aus der Onlineredaktion

DDR-Kochbücher bleiben gefragt. Klassiker stammen aus dem Verlag für die Frau

Welche Zutaten gehören in einen deftigen Gulasch? Wie gelingt ein „Kalter Hund“? Und wann schmeckt ein Erbseneintopf am besten? Zwei Bücher, in denen die Antworten zu finden waren, standen in fast jedem DDR-Haushalt: „Wir kochen gut“ und „Das Backbuch“. Generationen von Familien zwischen Ostsee und Erzgebirge bezogen ihr Wissen aus diesen zwei Standardwerken. Sie wurden vom Leipziger Verlag für die Frau herausgegeben und sind nach wie vor gefragt. Der Verlag – heute heißt er Buchverlag für die Frau – wurde vor 70 Jahren gegründet.

„Zu DDR-Zeiten wurde bodenständig gekocht“, sagt Sabine Melchert, Verlags-Programmleiterin. Die Rezepte seien vor dem Hintergrund der aktuellen Versorgungslage im sozialistischen Handel entwickelt worden. „Exotische Zutaten hatten da weniger eine Chance“, sagt sie. Trotzdem finden sich auch Rezepte für Obstsalate mit Melone, Pfirsich und Bananen, obwohl diese Früchte im Laden eher schwer zu bekommen waren. „Unsere Rezepte funktionieren und die Zutaten sind heute alle einfach zu besorgen. Das ist auch unser Erfolgsrezept“, sagt Melchert.

Die Koch- und Backbücher sind im Laufe der Jahrzehnte etwas modernisiert worden. Es gibt nun Farbfotos, auch die Mengenangaben für Fett und Zucker wurden etwas reduziert. Ansonsten blieb bewusst das meiste wie gewohnt.

Der 1946 in Leipzig gegründete Verlag verdankte zu DDR-Zeiten seine Bekanntheit vor allem Modezeitschriften wie „Pramo“ (Praktische Mode), „Modische Maschen“ oder „Saison“ mit Auflagen zwischen 200 000 und 300 000 Exemplaren. Ab 1956 erschien die Zeitschrift „Sibylle“ – die „Vogue des Ostens“. Aus Leipzig kam auch die Zeitschrift „Guter Rat“, die heute zum Burda-Verlag gehört.

Zum Ende der DDR hatte der Verlag über 400 Mitarbeiter. Er gab zehn Zeitschriften heraus, pro Jahr erschienen 40 Bücher und 700 Schnittmuster, Handarbeitsvorlagen und handkolorierte Kunstblätter. Heute sind es nur noch vier Mitarbeiterinnen. Nach der Wende gab es einen schwierigen Schnitt: Angesichts bundesdeutscher Konkurrenz hatte der Verlag wenig Chancen, fand aber seine Nische. Seit 2015 gehört er zur Verlagsgruppe grünes herz (Ilmenau), die auf Land- und Wanderkarten sowie auf Regionales spezialisiert ist.

„Wir setzen weiter auf Bewährtes und auf das ostdeutsche Publikum“, sagt Geschäftsführer Lutz Gebhardt. Das Backbuch ist seit 50 Jahren ein Verkaufshit und in 43. Auflage auf dem Markt. Der Klassiker „Wir kochen gut“ wurde in den vergangenen 55 Jahren über fünf Millionen Mal verkauft.

An die Geschichte des einstigen Verlags für die Frau erinnert derzeit in der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur eine Ausstellung. Zu sehen sind unter anderem Exemplare der beliebten Modezeitschriften sowie Originalkleider und Bücher – bis zum 17. Dezember. Danach wandert sie weiter; zunächst nach Berlin, dann nach Königs Wusterhausen.

 

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