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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 11:29 Uhr

LKA-Korruptionsprozess : „Ich war total unbeleckt“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

LKA-Mann packt vor Gericht aus. Illegale Nebenverdienste mit wertlosen Sicherheitskonzepten

Viel Geld für relativ wenig Leistung hat ein Beamter des Landeskriminalamts (LKA) für eine mutmaßlich illegale Nebentätigkeit erhalten. Rund 150 000 Euro bekam der 60-jährige Hans-Peter H. nach eigenen Angaben indirekt von dem österreichischen Energiekonzert OMV, weil er ein Sicherheitskonzept für dessen Ölförderstätten in Rumänien und für den persönlichen Schutz eines OMV-Managers ausarbeitete. Vermittelt hatte die Aufgaben die 69-jährige Berliner Unternehmensberaterin Christina W. Da er für W. im Rahmen dieser und anderer Aufträge auch interne Polizei-Datensammlungen anzapfte, müssen sich beide seit einer Woche vor dem Landgericht Schwerin verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem LKA-Mann Bestechlichkeit, Verrat von Dienstgeheimnissen und Steuerhinterziehung vor.

Nachdem die Richter, die Staatsanwälte und sein Verteidiger sich für den Fall eines umfassenden Geständnisses auf eine Höchststrafe von drei Jahren und zehn Monaten Haft geeinigt haben, fing Hans-Peter H. am Freitag an auszupacken. Christina W., die einst für das DDR-Fernsehen arbeitete, habe er 2006 dienstlich kennen gelernt, als sie dem LKA Informationen über das Umfeld einer Rotlicht-Größe aus Mecklenburg-Vorpommern anbot, gegen die ermittelt wurde. Hans-Peter H. und Christina W. hielten danach Kontakt. 2008 bat sie ihn zum ersten Mal, Informationen zu einem Geschäftsmann zusammenzusuchen. Angeblich googelte er Daten aus dem Internet zusammen. Als Dank schob W. ihm in einem Umschlag 2000 Euro zu.

„Zu meinem Leidwesen habe ich das angenommen“, so der Angeklagte. Kurz danach bot sie ihm an, beim „Projekt Scout“ mitzuarbeiten, um Öldiebstähle bei der OMV-Tochter in Rumänien zu reduzieren. „Ich war total unbeleckt auf diesem Gebiet“, räumte der LKA-Mann ein. Dennoch kassierte er mindestens eineinhalb Jahre lang monatlich 8000 Euro von W. Die wenigen Details, die Hans-Peter H. zum „Sicherheitskonzept“ für die Ölquellen schilderte, irritierten den Vorsitzenden Richter Norbert Grunke. „Darauf wäre ich als Ölfirmenvorstand auch von allein gekommen“, hielt Grunke dem Angeklagten vor. „Das habe ich auch gedacht“, antwortete der LKA-Mann, „aber so war das.“ Was laut Heinz-Peter H. wohl auch daran lag, dass der damals für Rumänien verantwortliche OMV-Manager Johann Pleininger „ein Fachidiot“ gewesen sei und von Sicherheit keine Ahnung hatte.

Vom Umfang seiner üppigen Nebenverdienste hatte seine Ehefrau, die wegen Beihilfe angeklagt ist, angeblich keine Ahnung. Mindestens 300 000 Euro soll H. seit 2008 von W. für seine illegalen Dienste kassiert haben. Die Anklage wirft dem Duo insgesamt fünf Fälle vor, in denen Geschäftsleute Informationen über Kunden oder Konkurrenten suchten, und W. mit der Beschaffung beauftragten.

62 000 Euro kassierte H. demnach für seine über W. vermittelte vermeintliche Hilfe für den ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch. Der wollte 2014 die Auslieferung von Österreich an die USA vermeiden und saß deshalb kurzzeitig in Wien in Haft. H. und W. wurden im April 2016 verhaftet, nachdem das Bundeskriminalamt 2015 auf sie aufmerksam gemacht worden war.
 

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erstellt am 25.Nov.2016 | 19:30 Uhr

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