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Mecklenburg-Vorpommern

05. Dezember 2016 | 03:25 Uhr

Plater Mordauftrag vor Gericht : „Ich blutete und blutete“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anschlagsopfer sagt 20 Jahre später vor Gericht aus

„Alles gut“, sagt die Zeugin, als der Vorsitzende Richter sich für eine Frage entschuldigt, die vielleicht etwas zu harsch klang. „Alles gut“, sagt sie, so wie andere „macht nichts“ sagen würden. In ihrem Leben jedoch ist längst nicht „alles gut“. Seit ein Auftragskiller der jetzt 54-jährigen Frau vor 20 Jahren in den Kopf schoss, schläft sie schlecht. Sie schmeckt und riecht nichts mehr. Über Jahre hat sie sich misstrauisch nach jedem umgedreht, der hinter ihr ging. Sie hat ihre Unbefangenheit verloren, so wie ihre Tochter mit einem Schlag ihre Kindheit.

Gestern musste sie die stets präsente Vergangenheit an sich vorbeiziehen lassen. Ein 52-jähriger Mann ist am Landgericht Schwerin angeklagt, der angeblich ihrem früheren Ehemann, einem Fahrlehrer, mit dem sie nach der Scheidung über Geld und das Sorgerecht fürs Kind stritt, die beiden Killer vermittelte, die im März 1996 zu ihrem Haus nach Plate bei Schwerin fuhren.

„Als es klopfte, scherzten meine Tochter und ich, wir würden keinen Staubsauger an der Tür kaufen“, erinnerte die Frau sich. Zwei Vermummte drückten die Tür auf. Nach dem Kopfschuss sank die Frau zu Boden. Zu ihrem Glück verfehlte ein zweiter Schuss sein Ziel. Als die Tochter die Polizei anrief, wollten die Beamten ihr den Anschlag anfangs nicht glauben. „Ich blutete und blutete.“ Bei vollem Bewusstsein kam das Opfer ins Krankenhaus.

Immer wenn die Frau vor Gericht den Nachnamen ihres Ex-Mannes nennt, setzt sie ein distanzierendes „Herr“ davor. Aber innerlich hat sie noch keine Distanz gewonnen. Aus der Zeitung hat sie erfahren, dass er den Mordauftrag zum ersten Mal zugegeben hat, als er in dem Prozess gegen den mutmaßlichen Killervermittler als Zeuge gehört wurde. Dabei benannte er den Angeklagten als jenen Mann, der dafür sorgen wollte, seine Frau aus dem Weg zu räumen.

Bereits Monate vor dem Anschlag auf seine Frau gab der Fahrlehrer einem Kölner aus dem zwielichtigen Millieu in der Annahme Geld, er wäre der bestellte Killer. Der Mann verschwand, ohne einen Finger krumm zu machen.

Als Zeuge vor Gericht wollte er sich gestern nicht erinnern, wer ihm diese Abzock-möglichkeit vermittelt hatte. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt

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erstellt am 24.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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