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Mecklenburg-Vorpommern

28. September 2016 | 10:33 Uhr

MV wird abgehängt : „Hinter uns liegt nur noch Berlin“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

MVs Industrie- und Handelskammern fordern konsequentere Industriepolitik. Landesmarketing soll Bundesland als Arbeitsstandort bewerben

Mecklenburg-Vorpommern wird abgehängt – zumindest im Industriesektor. Das Land habe eine erhebliche industrielle Wertschöpfungslücke, sagt Jens Rademacher, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Rostock (IHK). Die Bruttowertschöpfung lag 2015 bei gerade einmal 11,8 Prozent. Zum Vergleich: Die alten Bundesländer verzeichneten im selben Zeitraum durchschnittlich 23,9 Prozent. „Hinter uns liegt nur noch Berlin.“ Ein Umstand, der nach Auffassung der IHK auch auf die Landespolitik zurückzuführen ist, der es bisher nicht gelungen sei, die nötigen Rahmenbedingen für die Industriebranche zu schaffen. Dazu zähle unter anderem der flächendeckende Breitbandausbau oder eine entbürokratisierte Förderung von innovativen Unternehmensgründungen. Zwar hätte es in den vergangenen Jahren ein deutliches Wirtschaftswachstum in der Region gegeben, doch hinke das Land im Industriesektor weit hinterher. „Der Dienstleistungssektor bringt eben nicht die große Wertschöpfung. Der Schlüssel ist das verarbeitende Gewerbe“, sagt Prof. Bernd Romeike, Vorsitzender des IHK-Industrie-, Energie- und Umweltausschusses. Schwerpunkt bildet hier die Ernährungswirtschaft, gefolgt vom Bereich der Metallerzeugung und -verarbeitung. Industriepolitik sei ein Querschnittsthema, betreffe nicht nur das Wirtschafts-, sondern auch das Bildungs-, Energie und Finanzministerium. „Eine koordinierte Zusammenarbeit ist dringend erforderlich. Industrie funktioniert nicht ohne Wissenschaft. Momentan werden beide Sektoren voneinander getrennt.“

Gründe für die schlechte Wertschöpfung findet die IHK viele. So sei das Landesmarketing in der Pflicht MV nicht nur als „Land zum Leben“, sondern auch als „Land zum Arbeiten“ anzupreisen. Schließlich gäbe es gerade im Industriesektor hochwertige Arbeitsplätze mit hohen Löhnen, die beim Werben um Fachkräfte eine Rolle spielten, erklärt Jens Rademacher. Auch die Übernahme der Werften in Wismar, Warnemünde und Stralsund durch die Genting-Gruppe sei außerhalb MVs nicht richtig wahrgenommen worden, kritisiert Rademacher. Dabei hätten die milliardenschweren Aufträge das industrielle Rückgrat massiv gestärkt.

Mit großem Interesse verfolgen er und seine Kollegen die Sondierungen zur Regierungsbildung in MV. „Die Wahlen sind zu Ende, jetzt beginnt die Arbeit.“ Die Erwartungshaltung ist groß: Für die Legislaturperiode 2016 bis 2021 haben die drei Industrie- und Handelskammern des Landes aus Rostock, Schwerin und Neubrandenburg einen Forderungskatalog aufgestellt. Unter dem Slogan „Gemeinsam Mecklenburg-Vorpommern voranbringen!“ wollen sie den wirtschaftlichen Aufholprozess zu den westlichen Bundesländern beschleunigen. Oberste Priorität hätte dabei die „Stärkung der Stärken“, die Fokussierung auf die positiven Besonderheiten des Landes, das herausragende Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen beherberge, bedeutet Rademacher. Gleichzeitig müsse MV, das als Land der erneuerbaren Energien gelte, eine preiswertere Energieversorgung anbieten können – als Standortfaktor für Industrieansiedlungen. Weil das Bundesland bisher keine „großen Champions“ beherberge, konzentrieren sich die Kammern auf die Förderung von klein- und mittelständischen Unternehmen. Tüftler gäbe es im Land. Daimler und BMW seien anfänglich auch keine Giganten gewesen.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 07:45 Uhr

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