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Mecklenburg-Vorpommern

29. Juni 2016 | 03:49 Uhr

Handgeld ausgezahlt : Hilfe für griechische Arbeiter ohne Lohn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erstes Handgeld ausgezahlt / Auftraggeber übernimmt Verantwortung / DGB gewährt Rechtshilfe

Erste Hilfe für 100 im Stich gelassene ausländische Arbeiter in MV: 25 griechische und 80 andere ausländische Arbeitnehmer in Groß Stieten nahe Wismar und Lubmin in Vorpommern hätten gestern vom Auftraggeber ihres Arbeitgebers ein Handgeld für Lebensmittel ausbezahlt bekommen, teilte DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter gestern mit. Die Beschäftigten waren ohne Lohn und Essen von der Oldenburgischen Firma Paan im Stich gelassen worden (wir berichteten).

Die Männer sind Opfer der sich verschärfenden Subunternehmerkultur geworden. Paan hatte im Auftrag der Hamburger Firmengruppe Krebs Korrosionschutzarbeiten erledigt. Krebs hat nach eigenen Angaben u. a. für Nordic-Yards-Werften in Wismar und Warnemünde gearbeitet – an den Konverterplattformen für den Siemens-Konzern, aber auch an von Nordic gefertigten Serviceschiffen. Die Firmengruppe hatte nach eigenen Angaben alle Rechnungen an Paan bezahlt. Paan waren von der Staatsanwaltschaft die Konten gesperrt worden.

Die Männer seien unter unhaltbaren Zuständen untergebracht worden, so Schlüter. Sie müssten auf kleinstem Raum leben, unter katastrophalen sanitären Bedingungen, in Räumen, in die Wasser eindringe. Die Arbeiter hätten zum Teil seit Monaten kein Geld mehr erhalten und auch die Kraftstoffkosten für Dienstfahrzeuge nicht ersetzt bekommen, sagte Schlüter. Ohne Lohn hätten die Männer die vergangenen Wochen nur von Marmelade, trockenem Toast und Tütensuppen leben müssen. Aufgrund der Umstände seien inzwischen einige Arbeiter erkrankt.

Indes hat die Krebs-Unternehmensgruppe Verantwortung für die gestrandeten Arbeiter übernommen. In Lubmin seien zum Teil neue Unterkünfte besorgt worden. Für fünf Männer seien wegen Krankheit oder Geburt eines Kindes gestern noch Flüge in die Heimat gebucht worden. Schlüter zufolge hat indes auch die Arbeitsverwaltung Hilfe zugesagt. Heute sollen die Arbeiter zur Behörde gefahren und ihnen Sonderhilfen gewährt werden. Der DGB werde den Betroffenen zudem Rechtshilfe gewähren und ihnen helfen, ihre arbeits- und zivilrechtlichen Ansprüche durchzusetzen. Schlüter forderte gestern erneut von der Politik Neuregelungen auf dem Arbeitsmarkt, um dem Missbrauch von Werkverträgen Einhalt zu gebieten: „Die Schwächsten auf dem Arbeitsmarkt brauchen einen besonderen Schutz. Dazu gehört auch die Mitbestimmung von Betriebsräten - kein Chef soll künftig allein entscheiden können, ob und zu welchen Konditionen er Werkvertragsnehmer anstellt.“


 

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erstellt am 08.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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