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Mecklenburg-Vorpommern

06. Dezember 2016 | 22:51 Uhr

„Polizeiruf“ aus Rostock : Heftige Emotionen

vom
Aus der Onlineredaktion

Rostocker „Polizeiruf“-Duo kämpft gegen die Mafia. Seit mehr als sechs Jahren auf Verbrecherjagd

Die 200 000-Einwohner-Stadt Rostock hat bekanntlich einen boomenden Seehafen. Früher war er das Tor der DDR zur Welt, heute ist er Deutschlands beliebtester Kreuzschifffahrtshafen – und einer der zentralen Umschlagplätze für die Drogenmafia.

So sieht es zumindest der italienische Enthüllungsjournalist Roberto Saviano. Savianos jahrelange Recherchen, die ihn zu einem Todfeind der Mafia gemacht haben, sind der Aufhänger für den inzwischen 14. „Polizeiruf 110“ aus Rostock, den das Erste am Sonntag (20.15 Uhr) zeigt.

Darin wühlt sich das bewährte Duo Katrin König und Alexander Bukow, gespielt von Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner, durch die Abgründe der Rostocker Unterwelt. „Im Schatten“ ist entsprechend der mehrdeutige Titel. Eine Anlehnung an die schattenhafte Parallelwirtschaft, verborgen vor Öffentlichkeit und Justiz, aber mit realen Auswirkungen auf das Leben jedes Einwohners.

Der Fall, der LKA-Profilerin König und Hauptkommissar Bukow zusammen mit den Kollegen der Zollfahndung beschäftigt, ist reichlich mysteriös. Schnell sind zwei Menschen tot, kurze Zeit darauf liegt auch noch der Zoll-Einsatzleiter erschossen unter einer Autobahnbrücke.

Die Ermittlungen führen König und Bukow nicht nur in die Pizzeria, die offensichtlich Hauptquartier des ’Ndrangheta-Netzwerkes in der Hansestadt ist, sondern auch in die Büros sowie das private Umfeld der Zoll-Kollegen. Denn diese könnten sich den Drogenbaronen zu dicht genähert haben.

Ganz schwierig wird es, zumindest für König, als auch noch die junge Zollbeamtin Jana Zander – stark gespielt von Elisabeth Baulitz – in die Ermittlungen eingreift. Offensichtlich hat sie eine besondere Bindung zur Fa- milie des getöteten Zoll-Kollegen und treibt möglicherweise ein doppeltes Spiel.

Drehbuchautor Florian Oeller und Regisseur Philipp Leinemann geben ihren beiden Protagonisten im neuen „Polizeiruf“ reichlich Gelegenheit, ihre mehr als komplizierte Beziehung zu pflegen.

Hübner spielt wie gehabt den launischen und schnod-derigen Bullen, der gleichzeitig von heftigen privaten Problemen geplagt wird.

Sarnau ist nach wie vor die intellektuelle, eher unnahbare Ermittlerin.

Immer noch „per Sie“, kommen sich die beiden zumindest ein bisschen näher, bis Bukow besoffen nach hinten umkippt.

Es bleibt beim schwer verständlichen und für viele Zuschauer auch lebensfernen „Sie“, so dass Bukow bald verzweifelt ruft: „Frau König, kommen wir eigentlich mal zusammen?“

So bleiben die beiden ein Ermittlerpaar voller Gegensätze, das sich, für die deutsche Krimiszene nicht unüblich, nicht ganz legaler Mittel beim Verhören von Verdächtigen bedient.

Wie Autor Oeller, der sein drittes „Polizeiruf“-Drehbuch vorgelegt hat, im ARD-Interview sagt, möchte er mit „Im Schatten“ auf die Verflechtungen zwischen Mafia und deutscher Wirtschaft aufmerksam machen.

„Die ’Ndrangheta ist bestens finanziert und vernetzt, wobei sich ihre legalen und illegalen Geschäfte mehr und mehr gleichen und gegenseitig bedingen.“ Deutschland diene als gigantische Geldwaschanlage.

Oeller fordert deshalb die Schließung von Lücken in der Anti-Mafia-Gesetzgebung, denn deutsche Strafverfolger würden gehindert, den Clans Grenzen zu setzen.

Profilerin Katrin König versucht, dem Rostocker Mafiaboss diese Grenzen zumindest deutlich aufzuzeigen – und zeigt dabei für sie eher untypisch heftige Emotionen.

 

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