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Mecklenburg-Vorpommern

25. Juni 2016 | 07:05 Uhr

Beihilfe-Skandal : Harz-Werk unter Betrugsverdacht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatsanwaltschaften Schwerin und Darmstadt ermitteln gegen Manager von Acrylicon Neustadt-Glewe

MV droht ein neuer Beihilfe-Skandal: Nur knapp eineinhalb Jahre nach Eröffnung seines neuen, mithilfe von Steuergeldern errichteten Werkes steht der Kunstharzproduzent Acrylicon in Neustadt-Glewe unter Betrugs- und Spionageverdacht. So hat die Firma mit öffentlicher Landeshilfe von 3,6 Millionen Euro in ein neues Unternehmen investiert, aber offenbar Rechnungen eines Anlagenbauers nicht bezahlt. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin bestätigte gegenüber unserer Redaktion, es werde gegen einen Geschäftsführer einer Firma in Neustadt-Glewe wegen Betruges ermittelt. Die Ermittlungen dauerten an. Im Unternehmensumfeld hieß es, dass Acrylicon bei einem Anlagenbauer mit 400 000 Euro in der Kreide stehe. Werksleiter Bernd Diel bestätigte das Verfahren, wollte sich aber wegen des schwebenden Verfahrens nicht weiter äußern.

Noch schwerer wiegt indes ein weiteres Verfahren der Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen des Verdachts des Verrates von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen (Az. 600 JS 14838/15). Verantwortliche der Firma Acrylicon Polymers GmbH sollen gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoßen haben, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt mit. Nach einer entsprechenden Strafanzeige hatten die Beamten in der vergangenen Woche ihre Ermittlungen ausgeweitet und Geschäftsräume und Wohnungen in verschiedenen Bundesländern durchsucht. Dabei seien auch Sicherstellungen erfolgt, so die Staatsanwaltschaft. Da die Ermittlungen noch andauerten und ein Ende der Ermittlungen nicht absehbar sei, könnten keine weiteren Einzelheiten genannt werden.

Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen: Der Vorwurf geht an die Substanz des Werkes. Dabei soll die Produktion von Kunstharzen für Industriefußböden und Harz-Bodensysteme in Neustadt-Glewe u. a. auf einer Technologie und Rezepturen beruhen, die von einem Wettbewerber stammen sollen, bei dem Manager von Acrylicon zuvor angestellt gewesen sein sollen. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass fremde Technologien eingesetzt wurden, dürften auch auf das Land und das Landesförderinstitut Fragen zur Fördermittelvergabe zukommen. 3,6 Millionen Euro Förderung hatte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) für das neue Werk in Neustadt-Glewe bewilligt. Bedingung: 18 neue Jobs. Bis auf einen kleinen Restbetrag sei die Fördersumme ausgezahlt, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Über einen zweiten Förderantrag sei noch nicht entschieden. Wie es heißt, hat Acrylicon weitere 400 000 Euro Förderung beantragt. Dem Ministerium zufolge seien inzwischen 18 Arbeitsplätze geschaffen worden. Werksleiter Diel gibt indes weniger an. Im August erklärte er öffentlich, das fünf Mitarbeiter beschäftigt seien, in dieser Woche sprach er von zwölf.

Dabei hatte Kommunal- und Landespolitik das Unternehmen noch 2014 als gelungenes Beispiel einer erfolgreichen Firmenansiedlung in MV hofiert. Vor eineinhalb Jahren ließ es sich Wirtschaftsminister Glawe nicht nehmen, gemeinsam mit dem norwegischen Investor und Acrylicon-Gründer Björn Hegstad das neue Werk einzuweihen. Noch vor wenigen Wochen zeichnete die Wirtschaftsfördergesellschaft Acrylicon als eines von 18 familienfreundlichen Unternehmen in Westmecklenburg aus – mit Lob auch von Ludwigslusts Landrat Rolf Christiansen (SPD).

Unruhige Zeiten für die Kleinstadt Neustadt-Glewe: Die Stadt hatte vor Jahren schon auf die Investition einer Berliner Aktiengesellschaft in eine Algen-Fabrik gehofft. Davon ist nicht viel geblieben. Die Hallen stehen, aber die Investition liegt seit Jahren auf Eis.

 

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erstellt am 13.Nov.2015 | 06:25 Uhr

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