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Mecklenburg-Vorpommern

06. Dezember 2016 | 15:01 Uhr

Aus dem Gerichtssaal : Handschuh überführt Einbrecher – Angeklagter gesteht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nachdem er während der Ermittlungen geschwiegen hatte, gab er gestern vier Einbrüche zu

Mit einem überraschenden Geständnis hat ein Einbrecher vor dem Amtsgericht Schwerin dem Richter und sich einen langwierigen Prozess erspart. Nachdem er während der Ermittlungen geschwiegen hatte, gab er gestern vier Einbrüche in Schwerin, Stralendorf, Pinnow und Godern zu. Amtsrichter Rainer Schmachtel konnte die drei geladenen Zeugen nach Hause schicken, ohne dass sie aussagen mussten. Da die Polizei an einem Tatort einen verräterischen Handschuh gefunden hatte, hätte der 30-Jährige die Einbrüche auch schwerlich leugnen können.

Der arbeitslose Landwirtschaftsgehilfe war im Januar 2015 in eine Autowerkstatt im Südwesten Schwerins eingebrochen. Er suchte nach Geld oder Dingen, die er zu Geld machen wollte, um Drogen kaufen zu können. Er stahl ein Smartphone und einen Akkuschrauber samt Ersatzakkus. In der darauffolgenden Nacht drückte er bei einem Party-Service in Stralendorf das Fenster ein. Er ließ einige Lebensmittel mitgehen und den Autoschlüssel für den Transporter der Firma. Danach suchte er eine Physiotherapie-Praxis im selben Haus heim. Er fand zwei Pakete von Internet-Versandhäusern, in denen sich eine Hose und Schuhe befanden. Mit beiden habe er nichts anfangen können, behauptete der Angeklagte vor Gericht. Er nahm sie trotzdem mit, bevor er mit dem Transporter des Party-Service davon fuhr.

Drei Nächte fuhr der Mann mit dem gestohlenen Fahrzeug zum nächsten Einbruch. Auf dem Flugplatz in Pinnow schlug er eine Scheibe ein, um in das Verwaltungsgebäude zu gelangen. Er fand ein Flugzeug-Navigationsgerät und ein Bordbuch. Nicht gerechnet hatte er damit, dass in dem Gebäude ein Pilot übernachtete. Von den verdächtigen Geräuschen wach geworden, alarmierte dieser die Polizei. Der Einbrecher floh zu Fuß, bevor die Beamten am Flugplatz eintrafen. Er lief bis nach Godern durch den kalten Regen. Dort hebelte er das Fenster eines leerstehenden Bungalows auf. Drinnen fand er trockene Kleidung, die er anzog. Seine nassen Hosen und Pullover ließ er zurück.

Am Pinnower Flugplatz fand die Kriminalpolizei in dem Transporter des Party-Services auch Geschäftsunterlagen aus der Autowerkstatt, die der Einbrecher dort geklaut hatte. So konnte sie die verschiedenen Tatorte einem Täter zuschreiben. Auf seine Spur kam sie jedoch durch einen Handschuh, den er im Fahrzeug vergessen hatte. Aus Hautpartikeln filterten die Ermittler eine DNA-Spur heraus. Da der Einbrecher vorbestraft war, fand sich dessen Vergleichsspur in der Datenbank der Polizei.

Als seine Freundin von den Einbrüchen erfuhr, habe sie ihn zusammen mit dem dreijährigen gemeinsamen Kind verlassen, berichtete der schmächtige Angeklagte vor Gericht. Das sei der Grund gewesen, über sein Leben nachzudenken und es in neue Bahnen zu leiten. Von den Drogen sei er weitgehend weg und er bemühe sich um Arbeit.

Richter Schmachtel verurteilte ihn zu 14 Monaten Gefängnis. Die Strafe setzte er für zwei Jahre zur Bewährung aus. Zusätzlich muss der Einbrecher nachweisen, dass er keine Drogen mehr nimmt – damit er nicht wieder auf Einbruchstour geht, um seine Sucht zu bezahlen.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 06:25 Uhr

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