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Mecklenburg-Vorpommern

02. Dezember 2016 | 21:10 Uhr

Polizeisprecher im Interview : Halloween und Grusel-Clowns: Fliehen und Polizei informieren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Halloween und die Grusel-Clowns: Wie soll man sich verhalten? Polizeisprecher Steffen Salow erklärt, wie man am besten reagiert

Die Zwischenfälle mit sogenannten Horror-Clowns werden in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend zum Problem. Seit der vergangenen Woche kommt es vermehrt zu Attacken von Personen, die als Clowns verkleidet und teilweise mit Baseballschlägern und Kettensägen bewaffnet, Menschen erschrecken. So hatte eine 25-jährige Taxifahrerin in Hagenow einen geschminkten Clown mit Pfefferspray in die Flucht geschlagen, der sie mit einem Messer in der Hand erschrecken wollte. Polizeisprecher Steffen Salow aus Schwerin erklärt Redakteurin Annegret Behncke im Interview, wie sich Bürger an Halloween am besten verhalten sollen.

Wie verhalte ich mich in diesem Jahr zu Halloween, wenn es klingelt? Öffne ich normal die Tür oder nicht?
Steffen Salow: Da lässt sich keine konkrete Empfehlung geben. Es kommt auf die Situation an. Wenn Sie die Möglichkeit haben durch einen Türspion oder ein anderes Fenster festzustellen, wer an der Tür steht, sollten Sie dies gerade an Halloween nutzen. Sind Sie unsicher, lassen Sie einfach die Tür zu.


Wie soll ich mich verhalten, wenn an Halloween ein Clown klingelt?

Wenn ich es vorher sehe bzw. feststelle, nicht öffnen und die Polizei informieren.

Woran erkenne ich einen sogenannten Horror-Clown?

Diverse Versandportale bieten leider diese Kostüme inklusive der Clownsmasken für relativ wenig Geld an. Wenn man sich darunter also nichts vorstellen kann, hilft auch die Suchmaschine im Internet, die hier reichlich Bilder von sogenannten Horror-Clowns zeigt. Sie sehen einfach angsteinflößend und gruselig aus. Sehr oft tragen sie Gegenstände wie Hämmer, Messer, Macheten, Kettensägen usw. bei sich, die der äußeren furchteinflößenden Erscheinung noch enormen Nachdruck verleihen. Bedauerlich ist, dass hierdurch die richtigen, die lustigen Clowns stigmatisiert werden.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Horror-Clown an Halloween „zuschlägt“?

Aus meiner Sicht besteht durchaus eine größere Wahrscheinlichkeit, dass hier Menschen diesen dummen Unfug treiben könnten. Ich denke hier besonders an Trittbrettfahrer, die einfach mal schauen wollen, wie die Reaktion von erschrockenen Menschen sein wird. Ich kann hier nur warnen, denn es werden unter Umständen Straftatbestände erfüllt. Neben Nötigung, Beleidigung und Körperverletzungsdelikten, könnten auch straßenverkehrsrechtliche Tatbestände erfüllt sein. Man stelle sich vor, dass jemand aus Angst oder Schreck vor ein Auto läuft. Sollten Täter ermittelt werden, drohen neben strafrechtlichen Konsequenzen auch zivilrechtliche Ansprüche der Geschädigten.

Wenn sich ein Kind/Jugendlicher als Horror-Clown verkleidet hat, rufe ich dann die Polizei?

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen in jedem Fall die Polizei zu informieren. Wir hatten am 26.November in Schwerin einen Sachverhalt, bei dem drei Kinder im Alter zwischen 10 bis 13 Jahren mit Clownsmasken nachmittags durch die Straßen liefen. Hier konnten wir sowohl mit den Kindern als auch mit den Eltern Gespräche führen.

Darf ich mich wehren, wenn ich annehme, dass ein bewaffneter Horror-Clown vor mir steht?

Grundsätzlich hat jeder Mensch in Deutschland das Recht sich bei einem rechtswidrigen Angriff mit verhältnismäßigen Mitteln zu wehren. Dennoch möchte ich dazu raten, und sofern dies möglich ist, im Falle eines bevorstehenden Angriffs zu fliehen und die Polizei zu informieren. Wir als Polizei sind diejenigen, die sich um diese neue Problematik kümmern, ich rate dringend von Selbstjustiz ab.

  • Sehen Sie einen sogenannten Horror-Clown, versuchen Sie dem Clown aus dem Weg zu gehen und provozieren Sie ihn nicht.
  • Wenn Sie bedroht oder körperlich angegangen werden, fordern Sie Umstehende direkt zur Hilfe auf. Erstatten Sie auf jeden Fall Anzeige bei der Polizei.
  • Helfen Sie auch, wenn Sie bedrohliche Situationen oder Straftaten in diesem Zusammenhang beobachten.
  • Prägen Sie sich Tätermerkmale, die Fluchtrichtung sowie weitere Details ein und stellen Sie sich der Polizei als Zeuge zur Verfügung.
  • Auch wenn Sie persönlich nicht in Gefahr sind, aber bedrohliche Gruppen solcher Clowns beobachten, informieren Sie die Polizei unter 110.
  • Verbreiten Sie keine Falschmeldungen zu Horror-Clowns über die sozialen Netzwerke. Sie tragen nur zur Verunsicherung bei.


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erstellt am 31.Okt.2016 | 09:28 Uhr

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