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Mecklenburg-Vorpommern

31. Juli 2016 | 11:42 Uhr

Skandal : Griechische Arbeiter in MV gestrandet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Subunternehmer lässt Angestellte im Stich

Skandal auf dem Markt der Subunternehmer in MV: 25 griechische und weitere etwa 80 ausländische Arbeiter sind auf dem Arbeitsmarkt im Nordosten nach Informationen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) tausende Kilometer entfernt von ihrer Heimat Opfer ihres ausländischen Arbeitgebers geworden. Die Beschäftigten seien von dem Unternehmen in Groß Stieten nahe Wismar und Lubmin in Vorpommern ohne Bezahlung zurückgelassen worden.

Die Firma habe ihre Angestellten unter anderem in einer Arbeiterunterkunft im Stich gelassen – ohne Geld, ohne Essen, ohne Trinken, berichtete DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter gestern. Die betroffenen Kollegen hätten berichtet, dass der Firma die Konten gesperrt worden seien. Der ausländische Subunternehmer solle im Auftrag eines deutschen Subunternehmers in der Korrusionsschutzbranche arbeiten, der wiederum von einem weiteren deutschen Auftraggeber geordert worden sein soll. Der DGB habe gestern unkompliziert Hilfe organisiert. Die Betriebsratsvorsitzende der Nordic-Werft in Wismar, Ines Scheel, habe die ausländischen Arbeiter mit Essen und Trinken versorgt, erklärte Schlüter. Weitere Einzelheiten waren bei Redaktionsschluss gestern nicht bekannt.

Für den DGB ist der neue Fall ein weiterer Beleg für teilweise unhaltbare Zustände in Subunternehmen. „Der ungeregelte Arbeitsmarkt führt zu solchen Auswüchsen“, sagte Schlüter: „Das ist nur die Spitze des Eisberges. Über Lohndrückerei macht sich die Schmutzkonkurrenz breit.“ Dabei treffe es die Schwächsten auf dem Arbeitsmarkt. Um Fälle wie diese zu verhindern, müsse eine „neue Ordnung der Arbeit“ vereinbart werden, forderte der Gewerkschaftsführer.

Die wachsende Zahl der Subunternehmer, Leiharbeiter und Werkvertragsarbeitnehmer gerät immer stärker in die Kritik. Erst vor einem Jahr hatte die Tragödie um zwei bei einem Brand getötete Leiharbeiter der Papenburger Meyer Werft die Debatte um Lohndumping und Arbeitsbedingungen angeheizt. Der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch hatte nach den Meyer-Vorfällen vor einem Jahr erklärt: „Im Souterrain des deutschen Arbeitsmarktes haben sich unhaltbare Zustände ausgebreitet.“ Auch die Fleischindustrie gerät immer stärker unter Druck. Große Teile der Belegschaft an Schlachthöfen sei über Werkverträge angestellt, kritisieren Gewerkschaften – auch bei namhaften Unternehmen in Westmecklenburg.

 

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erstellt am 06.Aug.2014 | 20:30 Uhr

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