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Mecklenburg-Vorpommern

27. September 2016 | 20:57 Uhr

Rostock : Giftalarm im Kohlekraftwerk

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Betreiber soll Ausstoß von Quecksilber und Arsen drastisch reduzieren / Bürgerschaft fordert schärfere Grenzwerte vom Bund

Das Kohlekraftwerk im Überseehafen soll seinen Ausstoß an giftigem Quecksilber und Arsen drastisch verringern. Das fordert die Rostocker Bürgerschaft auf Initiative der Grünen. Über Druckmittel verfügt sie allerdings nicht – die gesetzlichen Grenzwerte hält die betreibende KNG Kraftwerks- und Netzgesellschaft mbH ein. Deswegen soll die Rathausspitze bei der Bundesumweltminsterin und beim Landesenergieminister auf schärfere Grenzwerte drängen. Parallel dazu soll der Betreiber um freiwillige Maßnahmen gebeten werden.

Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) zufolge überprüft das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg jährlich den Quecksilbergehalt in der Abluft. Verstöße gab es bislang keine. Und „für die Konzentration von Arsen gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert“, so Matthäus. Ihm zufolge habe das Steinkohlekraftwerk im Jahr 2014 rund 38 Kilogramm Arsen und 25 Kilogramm Quecksilber ausgestoßen. Ein Jahr zuvor sind es laut Umweltbundesamt rund 45 Kilogramm Arsen und 20,5 Kilogramm Quecksilber gewesen.

Viel zu viel, so Simone Briese-Finke, Fraktionschefin der Grünen: „Schon Energiesparlampen werden immer wieder wegen ihres Quecksilbergehalts kritisiert, der bei unter zwei Milligramm liegt.“ Der giftige Stoff könne chronische Beschwerden wie Kopfschmerzen und Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems nach sich ziehen. In den USA beispielsweise würden deswegen deutlich strengere Grenzwerte gelten – und auch eingehalten. „In einer grünen Stadt am Meer haben wir die Möglichkeit, andere Techniken und Materialien zu verwenden, um den Ausstoß zu verringern“, sagt Briese-Finke. Eine Möglichkeit sei die Umstellung auf einen anderen Lieferanten: „Die Herkunft der Kohle hat Einfluss auf ihren Quecksilberanteil.“

Langfristig sei der generelle Ausstieg aus der Kohle unumgänglich, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erfüllen. „Jede Verringerung des Schadstoffausstoßes ist zu befürworten“, sagt Senator Matthäus. Das gelte auch für Umweltschutz-Initiativen.

Aus Sicht von Malte Philipp, Vorsitzender der Fraktion UFR/FDP, handelt es sich bei dem Beschluss um „reine Symbolpolitik“. „Dann können wir den Oberbürgermeister genauso gut bitten, mal eben die Geburtenrate in Rostock zu befördern – das hätte genau die gleiche Wirkung“, sagt er. Auch Sybille Bachmann, Chefin der Fraktion Graue/Rostocker Bund/Aufbruch 09, kritisiert: „Da sind ganz andere gefordert.“ Freiwillig werde der Betreiber ohnehin nichts verändern.

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erstellt am 26.Jan.2016 | 05:00 Uhr

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