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Mecklenburg-Vorpommern

02. Dezember 2016 | 23:13 Uhr

Alltag in der DDR : Geschichtensammler

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Görlitzer Schau will mit Exponaten rund um den Alltag in der DDR Erinnerungen wachrufen

Die Tasche sieht aus wie ein Arztkoffer. „Darin habe ich früher meine Tanzsachen zum Tanzkurs mitgenommen“, sagt Heidi Lehmann. In der Vitrine hinter ihr und ihrem Mann Olaf steht noch ein Beutel aus rotem Kunstleder. Ein kleiner Zettel daneben verrät, dass ein Verwandter ihr die kleine Aufmerksamkeit bei der NVA gebastelt hat. Auch das war DDR-Alltag. Zu sehen sind diese und Hunderte andere Objekte bei der Sonderausstellung „Erfahrung DDR“. Mit der Schau will das Kulturhistorische Museum Erinnerungen wachrufen. Sie wurde am Donnerstag eröffnet.

Wie Museumsleiter Jasper von Richthofen sagte, geht es bei der Sonderausstellung nicht darum, unreflektierte Nostalgiegefühle zu wecken oder die Geschichte aufzuarbeiten. „Stattdessen sind wir Geschichtensammler, denn zu jedem hier ausgestellten Objekt gibt es eine ganz persönliche Erinnerung. So wollen wir, dass Zeitzeugen, Neu-Görlitzer und Nachgeborene ins Gespräch kommen“, sagte er. Dabei solle das komplette Leben in der DDR reflektiert werden – hässliche Erinnerungen wie Schönes. Die Schau im Kaisertrutz wurde mit großem Anlauf vorbereitet. Bereits Anfang Juni wurden die Görlitzer aufgefordert, auf ihren Dachböden, in Kellern und Kisten nach Erinnerungen zu kramen. Auch mit einem roten DDR-Barkas sind Museumsmitarbeiter durch die Wohngebiete gefahren, um dort Objekte zu elf Themengebieten abzuholen. Darunter gibt es unter anderem die Komplexe „Kindheit und Jugend“, „Familie, Wohnen, Partnerschaft“, aber auch „Ordnung, Sicherheit, Staatssicherheit“ oder „Ausreise“. Zu sehen sind 370 Leihgabenkomplexe. „Dahinter stehen sowohl Einzelexponate als auch Objektgruppen, wie etwa eine eingerichtete Puppenstube oder Geschirr“, sagt Ausstellungskuratorin Ines Haaser.

Die Resonanz sei sehr groß gewesen, auch weiterhin könnten Exponate abgegeben werden. Etwa zur Hälfte der Ausstellungszeit sollen dann nochmals neue Erinnerungen in die Vitrinen und einfachen Metallregale auf 400 Quadratmeter ziehen. Die Ausstellung, die bis zum 2. April 2017 dauern soll, wird durch Veranstaltungen begleitet. So wird es unter anderem den Stammtisch „Erfahrung DDR“ geben. Am 9. Dezember dreht sich dabei alles um das Thema „Weihnachten“. Außerdem werden Filme gezeigt, die früher in Görlitz gedreht wurden. Es gibt Podiumsdiskussionen zur Denkmalpflege in der DDR, zur Ordnung, Sicherheit und Staatssicherheit und zur 3. Generation Ost.

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erstellt am 20.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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