zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

27. September 2016 | 20:57 Uhr

Wahlkampf der Linken : Genossen schreiben Beschwerdebrief an NDR

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Linken aus MV fühlen sich von der Wahlberichterstattung des Norddeutschen Rundfunk benachteiligt

Die Berichterstattung des NDR Im Wahlkampf hat jetzt ein politisches Nachspiel: Der Spitzenkandidat der Linken, Helmut Holter, durfte nicht zum Fernsehduell in der NDR-Wahlarena antreten. Eine Einladung zum live übertragenen Schlagabtausch knapp zwei Wochen vor der Stimmabgabe hatten lediglich der amtierende Regierungschef Erwin Sellering (SPD) und sein Herausforderer Lorenz Caffier (CDU) erhalten. Die Entscheidung des Norddeutschen Rundfunks wurmt die Genossen in MV auch einen Monat später noch.

In einem Brief an den NDR-Intendanten Lutz Marmor beschwert sich die Landesvorsitzende Heidrun Bluhm über die Nichtberücksichtigung von Holter für das TV-Rededuell. Sie wirft dem Sender eine bewusste Ausgrenzung des Spitzenkandidaten vor. Der NDR habe gegen die Chancengleichheit der Linken im Vergleich zu den beiden geladenen Parteien verstoßen, heißt es in dem Brief, der unserer Zeitung vorliegt. Über die Auswahl der Kandidaten war Holter bereits im Vorfeld des Rededuells erzürnt, das am 23. August live aus der Markthalle in Wismar übertragen wurde. Der NDR konterte die Kritik mit der Begründung: Man habe nur Sellering und Caffier eingeladen, weil nach allen Umfragen einer von beiden als Ministerpräsident an der Spitze der künftigen Landesregierung stehen werde. Der Linke schoss zurück: „Die Argumentation scheint mir an den Haaren herbeigezogen.“

Seine Kollegin legt in dem Brief nun noch einmal nach: Die Redaktion habe nur unzureichend berücksichtigt, dass laut Umfragen zwischen Linken und den anderen beiden Parteien lediglich ein Abstand von vier Prozentpunkten gelegen habe. „Insofern ist die Reduzierung der NDR-Sendung auf lediglich zwei Spitzenkandidaten nicht gerechtfertigt“, findet Bluhm. Und auch nach der Landtagswahl fühlten sich die Linken vom Sender stiefmütterlich behandelt und in der Berichterstattung des Nordmagazins nicht ausreichend berücksichtigt.

Die gefühlte Benachteiligung durch den NDR liegt den Linken offenbar so schwer im Magen, dass sie sogar ein parlamentarisches Nachspiel eingeleitet haben. In einer kleinen Anfrage will die Abgeordnete Barabara Borchert von der Landesregierung ganz genau wissen, in welchem zeitlichen Umfang vom ersten August bis zweiten September in Filmbeiträgen und den Nachrichtenblöcken des Nordmagazins über Termine der Landesregierung informiert wurde. „Etwas ungewöhnlich, warum wir zu solchen Statistiken befragt werden“, kommentierte ein Regierungssprecher leicht süffisant das Begehren der MV-Linken. Es muss sich aber kein Verwaltungsbeamter nun noch einmal dienstlich rund 20 Folgen des Nordmagazins anschauen. Die einzelnen Sendungen seien nur eine Woche im Internet abrufbar, erklärte der Sprecher. Man habe den Norddeutschen Rundfunk um Unterstützung gebeten.

Der Sender hat die Vorwürfe der Genossen bereits zurückgewiesen. Alle Koalitionsoptionen hätten ausgeschlossen, dass Holter eine realistische Chance auf das Amt des Ministerpräsidenten gehabt hätte. Nach der Wahl sei auch mehrfach über die Links-Partei berichtet worden, unter anderem über die Zusammenkunft der neuen Fraktion. Die Landesregierung muss heute antworten.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen