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Mecklenburg-Vorpommern

25. August 2016 | 22:17 Uhr

Helios Kliniken in Schwerin : Geldgier statt Patientenwohl?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie korrupt sind Mediziner im Krankenhaus? Podiumsdiskussion beim Neujahrsempfang der Helios Kliniken in Schwerin

Spätestens seit den jüngsten Enthüllungen des TV-Teams Wallraff sind die Helios Kliniken in die öffentliche Kritik geraten – Stellenabbau, fließbandähnliche Arbeit am Patienten und mangelnde hygienische Sorgfalt waren nur einige der Kritikpunkte. Das sei jedoch kein Grund, diese Kliniken nicht mehr zu besuchen, sagt Dr. Christoph Specht.

Der Medizinjournalist und Filmemacher ist selbst Arzt (Orthopäde) und der festen Überzeugung: „Fehler passieren überall. Solche Szenen hätte man in jeder anderen Klinik auch aufnehmen können.“ Viel seltener sei dagegen die Transparenz im Gesundheitswesen. Um sie sollte es daher beim Jahresempfang der Helios Kliniken in Schwerin gehen. In einer Podiumsdiskussion wurde Korruption als großes Problem der Branche angesprochen, da viele Ärzte und Mediziner sich täglich damit konfrontiert sähen und oft nicht reflektieren würden, welche Auswirkungen ihre Bestechlichkeit für die Patienten hätte. „Als junger Arzt stolpert man einfach da rein, da man im Studium in keinster Weise darauf vorbereitet wird“, erklärt Manja Dannenberg. Die niedergelassene Ärztin spricht aus Erfahrung, wurde selbst tagtäglich mit Geschenken, Vertreterbesuchen, Fortbildungsveranstaltungen oder Essenseinladungen überschüttet. Wobei diese Methoden noch die offensichtlichsten gewesen wären.

Dagegen will der Deutsche Bundestag nun verstärkt vorgehen und steckt mitten in der Bearbeitung eines Gesetzes zur Bekämpfung der Korruption im Gesundheitswesen. CDU-Politiker Dietrich Monstadt ist als Mitglied des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz an seiner Erarbeitung beteiligt. Er erklärt, dass es schwierig sei, zwischen gewollten Kooperationen im Gesundheitsbereich und Bestechungsakten zu unterscheiden. Schließlich wolle man ja nicht „jede von Medizinern gewollte Kooperation gleich unter Generalverdacht stellen.“ Der entsprechende Gesetzentwurf befindet sich derzeit in der Diskussion.

Dr. Wolfgang Wodarg, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland, begrüßt den Vorstoß des Bundestages und hofft, dass die fachliche Kompetenz der Mediziner durch die Bekämpfung der Bestechungsakte erhalten bleibe. Denn besonders im Gesundheitssektor sei „das Vertrauen der Patienten ein gewaltiges Schutzgut.“ Die gesamte Organisation könne nur fortbestehen, wenn die Korruption gestoppt werde. Dafür sei auch die Regeltreue aller Mitarbeiter vom Facharzt bis zur Führungsebene notwendig. Dies versuchen die Helios Kliniken bereits seit 2001 mittels eines Transparenz- und Dokumentationsprinzips durchzusetzen. Silke Schünemann-Glier, die den Zentralen Dienst Compliance seit 2013 leitet, kann dabei schon jetzt auf Erfolge zurückblicken. Hätten 2013 nur etwa 60 Prozent der Chefärzte ihre Kooperationen und Verbindungen zu Firmen offengelegt, wären es in diesem Jahr schon fast 90 Prozent. „Innerhalb der Ärzteschaft vollzieht sich ein Wandel hin zur Transparenz, jedoch eher langsam. Man lässt sich eben gerne beschenken und umwerben. Aber wir sind auf einem guten Weg“, kommentiert die niedergelassene Ärztin Manja Dannenberg.

Der Gesundheitssektor ist jedoch längst nicht der einzige, der mit Korruption zu kämpfen hat. Warum also wird er so stark thematisiert? „Die Bestechlichkeit im Gesundheitswesen ist deshalb ein so großes Thema, weil zum einen eine Menge Geld dahinter steckt - etwa 400 Milliarden Euro im Jahr - und so viele Akteure beteiligt sind“, erklärt Dr. Christoph Specht abschließend. In der Medizin, wo nicht nur Ärzte Leistungsträger seien, würde man schnell den Überblick verlieren, wer in welche Kooperationen verwickelt sei. In dieser Hinsicht sind die Helios Kliniken Vorreiter einer wichtigen Bewegung, die sofern sie gelebt wird, zum Vorteil der Patienten sein wird.

 

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erstellt am 22.Jan.2016 | 12:00 Uhr

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