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Mecklenburg-Vorpommern

31. August 2016 | 06:18 Uhr

Medizin : Gegen den Trend: Mehr Organspenden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mecklenburg-Vorpommern ist deutscher Meister, hat aber noch Reserven.

Die Bereitschaft zur Organspende ist in Mecklenburg-Vorpommern doppelt so hoch wie im restlichen Bundesgebiet. Das konstatierte Dr. Detlef Bösebeck, Geschäftsführender Arzt der Region Nord-Ost der deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), gestern am Rande einer Fachtagung in Schwerin. Hier würden doppelt so viele Organe wie in anderen Bundesländern entnommen, denn die Zustimmung zur Organentnahme im Falle eines Hirntods sei deutlich größer als in anderen Bundesländern. Allerdings seien Organspender auch nirgends so alt wie hier, so Bösebeck. Während bundesweit nur elf von einer Million Menschen Organe spendeten, seien es hierzulande 27. Von Januar bis September verzeichnete die DSO in MV 32 Verstorbene, die Organe spendeten. Im gleichen Zeitraum 2013 waren es 24.

Bundesweit war die Zahl der Organspenden bis September dagegen weiter zurückgegangen. 649 Menschen wurden nach ihrem Tode Organe entnommen, im Vorjahreszeitraum waren es noch 26 mehr. Der Vertrauensverlust, der durch verschiedene Skandale bei der Organvergabe entstanden war, konnte noch nicht wieder ausgeglichen werden.

Das Besondere in Mecklenburg-Vorpommern sei einerseits, dass hier schon sehr früh mit der Aufklärung über Organspende begonnen werde, so Bösebeck. Laut Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) wird das Thema bereits in den neunten Klassen an den Schulen des Landes behandelt. Aus Sicht der DSO ist aber auch der Umgang mit dem Thema hier im Land ein ganz besonderer. „Es gibt eine positive Diskussionskultur mit dem Ziel, die Organspende voranzubringen“, lobt Bösebeck. Und es gebe in den Krankenhäuser viele engagierte Mitarbeiter, denen das Thema am Herzen liegt. So seien in MV im vergangenen Jahr durch Kliniken 30 Prozent mehr potenzielle Organspender gemeldet worden. Im Bundesdurchschnitt gingen dagegen die Meldungen um fünf Prozent zurück.

Für besonderes Engagement im Zusammenhang mit der Organspende zeichnete die DSO gestern das Sana-Krankenhaus Rügen und das Neubrandenburger Dietrich-Bonhöffer-Klinikum aus.

Ärztekammerpräsident Dr. Andreas Crusius mahnte, sich nicht auf den guten Statistiken auszuruhen. „Wir waren mal bei 37 Spendern auf eine Million Einwohner“, betont er. „Unser Potenzial ist also noch wesentlich größer.“ Zurzeit würden in Deutschland täglich vier bis fünf Menschen sterben, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen. Andere überleben nur mit künstlichem Organersatz.

    Karin Koslik Seite 3

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erstellt am 29.Okt.2014 | 07:31 Uhr

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