zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern

29. September 2016 | 07:00 Uhr

Übergriffe auf Polizisten : Freund, Helfer, Prügelknabe

vom
Aus der Onlineredaktion

In Mecklenburg-Vorpommern werden jedes Jahr rund 1000 Ordnungshüter im Dienst angegriffen

Der Einsatz eskalierte plötzlich im Vorgarten. Polizisten hatten bei Bad Doberan am vergangenen Sonntag einen Mann aufgesucht, gegen den wegen einer nicht gezahlten Geldstrafe ein Haftbefehl erlassen worden war. Doch der Schuldner wehrte sich , und dann mischte sich auch noch seine Lebensgefährtin ein. Sie schnappte sich einen langen Ast und schlug damit sofort auf die Beamten ein. Ein Ordnungshüter wurde verletzt und musste sich im Krankenhaus behandeln lassen. Wieder einmal.

„Es ist erschreckend, wie niedrig die Hemmschwelle gegenüber Beamten ist“, sagt der Landessprecher der Polizeigewerkschaft GdP, Marco Bialecki, zu dem Vorfall. Der Ast-Ausraster ist kein Einzelfall. Die Zahl der Übergriffe und Attacken auf Polizisten betrachten Bialecki und seinen Kollegen zunehmend mit Sorge. In einem Lagebild zur Gewalt gegen Polizisten hat das Bundeskriminalamt für das vergangene Jahr in Mecklenburg-Vorpommern 559 Übergriffe auf Polizisten erfasst. Rund 1000 Beamte wurden dabei bedroht oder angegriffen. Die Zahl der Widerstandshandlungen gegen Ordnungshüter stieg in MV laut BKA-Bericht um fast acht Prozent. „Der Staat wird von manchen Menschen nicht mehr respektiert. Da gibt es teilweise einen regelrechten Hass auf Polizisten“, sagt Bialecki. Beamte, aber auch Rettungskräfte müssten als Blitzableiter herhalten, an denen Wut und Frust abgelassen werde. Oft sei Alkohol mit im Spiel.

Immer häufiger werden Polizisten, so die Einschätzung des Gewerkschafters, auch bei Routine-Einsätzen verbal oder körperlich attackiert. „Da fallen ein, zwei Worte und dann geht die Schlägerei los. Wie aus dem Nichts“, sagt der Polizeigewerkschafter. So wie Anfang August, als Polizisten wegen Ruhestörung zu einer Skaterbahn bei Schwerin gerufen wurden. Aus einer Gruppe von 25 Personen heraus wurden die Einsatzkräfte beleidigt und von vier Männern mit Faustschlägen angegriffen. Die Beamten mussten sich mit Pfefferspray zur Wehr setzen.

Im April störte ein 32 Jahre alter Mann eine Verkehrskontrolle und fuhr mit aufheulendem Motor auf einen Polizisten zu, der auf die Motorhaube stürzte. Der Mann fuhr weiter und bremste erst nach 30 Metern abrupt.

Auf die zunehmende Gewalt gegenüber Einsatzkräften will die Politik mit den Einsatz von kleinen Kameras reagieren, die Polizisten am Körper tragen und damit ihre Einsätze dokumentieren können. Die sogenannten Bodycams werden bereits in anderen Bundesländern erprobt. Auch Bialecki spricht sich für die Einführung der Mini-Kameras aus. „Wir brauchen aber auch eine härtere und vor allem schnelle Bestrafung der Täter.“

zur Startseite

von
erstellt am 21.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen